Die Australier Dave Hosking, Killian Gavin, Tim Hart, Jon Hart und Dave Symes erleben im Rahmen ihrer Europatour einen ganz anderen Winter – oder eben “Sommer” -, als sie es aus ihrer Heimat gewohnt sind. Boy & Bear sind seit Februar auf Weltreise und machten letzte Woche Halt in Deutschland. Mit Dancing Years als Support konntet ihr die Band in Münster, Frankfurt und München genießen. Wir trafen Tim und Jon vor ihrem entzückenden Konzert am 29.11.14 im Zoom Frankfurt und redeten mit den beiden über das Wetter, die Weihnachtszeit, ihre Erlebnisse auf Tour und nahmen auch sie auf unsere obligatorische “Was wäre, wenn..?”-Reise mit.

Am Ende des Artikels verlosen wir auch noch 5 signierte CDs der Folk-Rock Musiker über unseren Adventskalender, also bleibt auf jeden Fall dran und klickt nicht zu früh weg!

 


 

Interview (frei übersetzt)

Zuerst natürlich: Wie fühlt es sich an den europäischen kalten Winter zu erleben, wenn der australische Sommer gerade beginnt?

Jon: Ja ähm, es ist.. kalt. (lacht) Wisst ihr, wir sind in Vergangenheit viel durch Kanada gereist wo es -17°C waren, deswegen fühlt es sich hier gar nicht allzu schlecht an. Es ist okay. Wir waren dieses Jahr 3 Mal in Kanada – zuerst im März, da war es richtig kalt und überall lag Schnee.
Tim: Ja genau, aber hier in Deutschland ist es kalt und grau. In Kanada hat wenigstens die Sonne gelacht. Das ist definitiv ein anderes Feeling aber trotzdem finde ich es hier nicht schlimm. Fühlt sich sehr europäisch an.

 

Wie werdet ihr Weihnachten dieses Jahr verbringen? Seid ihr dann noch auf Tour?

Jon: Wie immer in Shorts. Wir werden auch wieder zurück in Australien sein.
>>> Zu schade, dass ihr ein “richtiges” Weihnachtsfest mit Schnee und allem drum und dran nicht erleben werdet.
Tim: Stimmt. Ich blieb hier auf dem Weihnachtsmarkt heute Mittag hängen und wollte gar nicht mehr weg. Aber in diesen Tagen sehen wir ja einiges vom Weihnachtsfest am “anderen Ende der Welt” und wir freuen uns darauf, wieder in die Heimat zu fliegen.
Jon: Wir haben auch deutschen Glühwein probiert und ich mochte ihn nicht sonderlich. War aber trotzdem mal interessant, Neues auszutesten.

 

Auf welchem Festival oder in welcher Stadt hat es euch am meisten Spaß gemacht zu spielen?

Jon: Schwierige Frage, da wir auf so vielen Festivals dieses Jahr gespielt haben. Dennoch würde ich spontan ein Festival in der Nähe von Essen nennen: das Haldern Pop Festival. Ich mag das Konzept und dass die Tickets vor Bekanntgabe des Line-Ups ausverkauft sind. Es ist sehr klein und man trifft dort nur Menschen, die Musik wirklich lieben. Stark war auch das Lowlands in Holland. Vor ein paar Jahren, 2010 glaube ich, spielten wir ein Festival namens Lollapalooza in den Vereinigten Staaten, was auch unglaublich war.
>>> Oh wow, ihr seid auf dem Lollapalooza aufgetreten? Nächstes Jahr bekommen wir in Berlin zum ersten Mal eine deutsche Ausgabe des Festivals zu sehen.
Tim: Davon haben wir auch erzählt bekommen. Ich denke, es wird super und jeder sollte hingehen! Zur Frage davor: Es ist immer toll in Sydney, unserer Heimatstadt, zu spielen. Los Angeles, New York, London.. und vielleicht Berlin gehören auch noch zu meinen Favoriten. Es sind immer die großen Städte, in denen besondere Ereignisse passieren.

 

Gibt es ein Festival, auf dem ihr gerne spielen würdet?

Jon, wie aus der Pistole geschossen: Ich würde gerne mal auf dem Glastonbury in England spielen. Ja, ich würde sagen das ist “the one”.
Tim: Das Gleiche gilt für mich (und wahrscheinlich die anderen). Es ist nicht unbedingt unser großer Wunsch dort zu spielen, da wir Fans kleiner und liebevoller Festivals sind – und doch steht es insgeheim auf unserer “Bucket List”.

 

Wenn ich den Berufswunsch, den ich als Kind hatte, ausüben würde, dann wäre ich jetzt..

Jon: Musiker.
Tim: Ich weiß nicht mehr genau, was ich als Kind werden wollte.. Aber ich glaube auch ein Musiker, ja. Ich erinnere mich an Fotos aus meiner Kindheit, auf denen ich mit Gitarren zu sehen bin. Ich meine, jetzt spiele ich zwar keine Gitarre, sondern Schlagzeug, aber das war wohl immer in mir.

 

Wenn ich mein ganzes Leben nur noch ein Lied hören dürfte, wäre das..

Tim: Oh, das würde ich hassen. Wahrscheinlich würde ich einen Song wählen, der eine besonders lange Spieldauer hat, damit ich nicht immer von den selben drei Minuten genervt wäre.
Jon: Meine Wahl würde auf, ähm, kennt ihr das erste Album von Bon Iver mit dem Titel For Emma, Forever Ago? Der letzte Track des Albums, Re:Stack, den würde ich wohl wählen. Den Song kann ich immer hören.
Tim: Ich denke mit Clair De Lune von Claude Debussy könnte ich mich vereinbaren.

 

Wenn ich mir eine noch so utopische Zukunft aussuchen könnte,..

Jon: Hm, ich halte nichts von Utopien. Wisst ihr, das Schlechte auf der Welt macht erst das Gute gut.. Vielleicht romantisiere ich das ein wenig, aber ich möchte bloß auf dem Land wohnen, Folk-Musik schreiben und Cricket spielen. Und ich möchte eine Farm besitzen, auf welcher ich mein eigenes Essen anbaue und züchte. Hilflosen Menschen helfen und glücklich sein gehört auch noch zu dieser Wunschvorstellung, das wär’s so ziemlich.
Tim: Was ich an der heutigen Zeit kritisiere, ist das Geld. Eine Zukunft ohne Geld, so wie es vor der Industrialisierung war, wäre wundervoll. Außerdem sollte jeder Mensch auf dieser Welt genügend zu Essen haben und dann ins Bett gehen, wenn die Sonne untergeht und aufstehen, wenn sie wieder aufgeht.

 

Wenn ich einen unendlichen Betrag an Geld zur Verfügung hätte,..

Jon: Niemals hatte ich das Verlangen, viel Geld zu besitzen. Ich spende auch eine Menge und gebe viel Geld aus.. Unser Tourmanager sagt immer: “Wenn du ein Problem hast, stecke Geld hinein.”, aber trotzdem würde ich nicht unbedingt eine endlose Summe Geld haben wollen. Vielleicht werde ich eines Tages Hausbesitzer sein, aber das wird nicht einfach. Und diese Herausforderungen machen das Leben aus; ich möchte für etwas arbeiten.
Tim: Es kann ganz schön schlecht für einen Menschen sein, zu viel Geld zu besitzen. (..) Aber um die Frage zu beantworten: Ich würde mir ein französisches Château kaufen und dort meine Zeit verbringen. Und Menschen helfen.. Ja, es klingt bescheuert wenn du mich das fragst und ich sowas antworte..
>>> Warum ein Schloss in Frankreich?
Tim: Naja, ich mag Wein. (lacht)
>>> Ihr müsst unbedingt unseren hessischen Apfelwein (Äbbelwoi) probieren solange ihr hier seid!
Jon: Danke für den Tipp! Vielleicht würde ich mir, wenn ich reich wäre, nicht nur Apfelwein$, sondern direkt ganz Frankfurt kaufen. Es gibt richtig coole Gegenden, wenn man sich von der Hauptverkaufsstraße (Zeil, wo auch die Location ist) abwendet und ein wenig umschaut.

 

Wenn ich eine Zeitmaschine besäße,..

Jon: Wieder so eine schwierige Frage! (..) Was würdest du tun?
Tim: Das ist wahrscheinlich ziemlich persönlich, aber ich würde gerne meinen Großvater treffen und mit ihm reden. Es wäre zumindest sehr interessant Familienmitglieder zu treffen, bei denen man nie die Chance hatte, sie kennenzulernen.
Jon: Dürfte ich in die Vergangenheit und wieder zurückgehen?
>>> Ja, alles ist erlaubt und auch das Reisen in die Zukunft.
Jon: Oh nein, das würde ich nicht machen. Ich möchte wirklich nicht wissen, was auf der letzten Seite meiner Geschichte passiert. Aber mir fällt jetzt auch keine Situation ein, in welcher ich gerne eine Zeitmaschine verwenden würde.

 

Wenn ich einen Musiker meiner Wahl (egal aus welcher Zeit) treffen könnte, wäre das..

Jon: Ich denke Paul Simon von Simon & Garfunkel würde ich gerne treffen. Ich schätze ihn als sehr nette Person ein und mein Idol, ein Genie der Folk-Musik. Ich finde er ist der beste Songwriter dieser Welt.
Tim: John Lennon. Ich mag Paul McCartneys Songs und die der Beatles, aber John Lennon ist verdammt cool und ein interessanter Typ, mit dem man bestimmt gute Gespräche führen kann. Eventuell auch noch Jimi Hendrix und Kurt Cobain.
Jon: Den müsste ich nicht unbedingt treffen. (lacht)

 

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Wenn ich nur noch ein Konzert in meinem Leben besuchen dürfte, wäre das..

Jon: Ein letztes Konzert.. Ich bin nicht der größte Livemusik-Fan – das klingt womöglich lustig – .. Tim, wen würdest du gerne sehen?
Tim: Da müsstet ihr mir die Zeitmaschine aus der anderen Frage geben und ich würde ins letzte Jahrhundert reisen, um eines der ersten Fleetwood Mac Konzerte zu besuchen. Oasis möchte ich auch noch unbedingt sehen, wenn sie sich denn wiedervereinigen. Ich habe nur Noel Gallagher’s High Flying Birds gesehen und das war fast ein bisschen peinlich. Aber ich liebe Oasis und hoffe, sie eines Tages sehen zu können!
>>> Welches war denn das beste Konzert, das ihr jemals besucht habt?
Tim: Meins war von Bryan Adams in Sydney, ich glaube das war 2008. Das ist mir bis heute stark in Erinnerung geblieben, da es so grandios war. Das war das Beste, das ich jemals sah.
Jon: José González, auch in Sydney. Er war einfach.. phänomenal.
Tim: Ich muss noch ein Konzert von Coldplay vor ein paar Jahren ergänzen. Es war zu Viva La Vida Zeiten, sie haben ein Stadion ausverkauft und es klang nicht so, als würde es ein wahnsinniges Konzert werden. Zum ersten Mal in meinem Leben wollte ich bleiben, als eine Band mit den Zugaben anfing – so viel sei gesagt. Ich dachte mir: “Wow, das ist eine riesige Show, viel Produktion steckt dahinter.. Und es ist großartig!”.

 

Wenn ich die Wahl zwischen einem kleinen Auftritt vor meinen größten Fans und einem riesengroßen Auftritt vor einem weniger leidenschaftlichen Publikum hätte,..

Tim: Das erste.
Jon: Ja, das erste. Definitiv. Die Sache ist, wenn du vor vielen Menschen auf einem großen Festival spielst und keiner hat wirklich Interesse daran, dir zuzuhören – das macht keinen Spaß.
>>> Aber vielleicht bekommt ihr dadurch auch neue Fans.
Jan: Vielleicht, vielleicht. Die prägendsten Shows sind trotzdem die bei denen Leute zuschauen, die die Band wirklich sehen wollen und nicht ansehen müssen, weil sie zum Beispiel auf die Band danach warten.

 

Wenn ich mir eine Interviewfrage aussuchen dürfte, würde ich mich fragen,..

Jon: “Was mache ich hier? (lacht)
>>> Also: Was macht ihr hier?
Jon: Wir touren seit Februar um die Welt und waren seitdem nur zweimal kurz in der Heimat. Der längere Aufenthalt umfasste fünf Tage. Ich wollte schon immer mal die Weihnachtszeit in Europa sehen und bevor wir herkamen, spielten wir ein paar Shows in England. Das ging etwas aufs Gemüt, weil das britische Volk sehr eigen ist und anstrengend sein kann. Doch als die Adventszeit begann, wurde es plötzlich wieder interessant und aufregend. Ich hätte niemals gedacht, dass ich im Leben über zehn Monate von Zuhause weg sein werde und freue mich deshalb trotzdem sehr auf die Heimreise. Außerdem ist Australien das beste Land der Welt!
>>> Wie ist denn Weihnachten in Australien?
Jon: Fantastisch. Wir haben auch Weihnachtsbäume, nur statt im Haus feiern wir draußen und veranstalten Barbecues, gehen zum Strand und so. Wenn ich Frank Sinatras Christmas Collection höre, erinnert es mich an Weihnachten. Damit assoziiere ich allerdings warmes Wetter. Es kommt darauf an, wie man aufwächst und an was man gewöhnt ist. Ist doch so, richtig?

 

Wenn ich nur einen Song von uns empfehlen dürfte, wäre das..

Beide: Southern Sun vom aktuellen Album Harlequin Dream. Das macht immer Spaß zu spielen und hebt sich von den anderen Tracks ab.

 

Die letzte Frage: Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Jon: Wir möchten uns nach der langen Tour erstmal ein wenig ausruhen und Zeit mit unseren Liebsten verbringen. Danach möchten wir ein neues Album schreiben, produzieren und am liebsten auch noch nächstes Jahr veröffentlichen. Wenn alles nach Plan läuft, stehen wir April/Mai auch wieder im Studio.

 

Vielen Dank für das Interview!

 


 

Verlosung

Selbst wenn ihr die Australier vor diesem Artikel nicht kanntet: Spätestens jetzt solltet ihr sie super sympathisch finden und euch mit ihnen auseinandersetzen. Wir haben nicht nur unglaublich nett mit ihnen geplaudert, sondern sie auch 5 Bridges Singles signieren lassen, die darauf warten, an euch versendet zu werden. Für alle weiteren Infos lest unseren Ankündigkungspost zum Adventskalender, das Gewinnspiel läuft über Facebook (hier entlang, bitte). Wir drücken euch die Daumen und bedanken uns noch einmal recht herzlich bei Friederike und Patricia für die CDs!

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Interview und Text: Carina, Maria

Photo Credits: Nettwerk Music Group, Boy & Bear Official