Antonia

Wenn Sonntag, grauer Himmel und Kopfschmerzen zusammentreffen, bedarf es ruhiger Musik, zu der man mit mehr als nur einem Hauch Pathos den ganzen Weltschmerz in sich aufsaugen und in Selbstmitleid versinken kann. Hierfür empfehlen eure Winterverstimmungs-DIY-Experten (sprich: wir) diese Woche Up All Night von Oliver Tank, das seit seinem Erscheinen 2011 so manche düstere Stunde begleitet hat, und Nothing’s Gonna Hurt You Baby von Cigarettes After Sex. Letztere wurden vergangene Woche für die nächste Edition des Maifeld Derbys bestätigt, was uns glatt vergessen lassen hat, wie dramatisch doch eigentlich alles ist.

 

Maria

Bei meinen Überlegungen zu diesjährigen Weihnachtsgeschenken stieß ich wieder auf James Vincent McMorrow und sein neustes Album We Move. Nachdem ich mich entschied, dass das definitiv unter den Baum kommt, stellte ich auch endgültig für mich fest: ich mag ihn lieber als All-time-cutie und immer zum Vergleich gezogenen Ben Howard. Das Album gehört für mich zu denen, bei denen es mir schwer fällt, einen Song besser als einen anderen einzuschätzen. Trotzdem schafft es Killer Whales in die Weekend Vibes, wie so oft aber mit dem Hinweis, sich wirklich auch die ganze weitere Platte anzuhören.

Pete Dohertys neues Album heißt Hamburg Demonstrations und das passt so gut zu dieser Woche wie Mayo zu Pommes. Supersüßer Einsteiger auch direkt, dass im ersten Song Kolly Kibber Pete einige Zeilen auf Deutsch singt. Da ist das Polizeiaufgebot in Hamburg schnell vergessen.

 

Natalie

Letzte Woche habe ich beim Störbern nach neuen Tracks mal wieder den Colette Podcast angehört (sehr empfehlenswert, wenn man z.B. sein Französisch auffrischen will). Mein Lieblingstrack des letzten Podcasts wirkte zunächst wie dessen Jingle – sehr futuristisch, ziemlich 8-bit-lastig und etwas kitschig. Man fühlt sich wie in einer Disco in den 80ern mit buntem Lidschatten und silbernen Röcken und Aerobic-Video im Hintergrund. Kurzum: sehr geil und genau mein Ding. Das gute Stück Carré Magique stammt von der 5-Mann Band Cliché aus Bordeaux. Auf ihrer kürzlich erschienenen zweiten EP finden sich meiner Meinung nach ausschließlich gute Produktionen: Immobile ist eine Mischung aus French New Wave à la Indochine und Tout ouie lässt sich pointiert als sexygroovy beschreiben (ein bisschen wie Serge Gainsbourg). Was? Winter? Ich bin dann mal an der French Riviera.
Der zweite Track könnte in diesem Kontext schon zu einem guilty pleasure zählen – da ich ihn aber seit Tagen nicht aus dem Kopf bekomme, muss er in die dieswöchige Playlist. Es geht um Jonas Monar, dessen Playlist (das ist der Songtitel) in allen Variationen den ganzen Morgen im Büro lief. Der blonde Mittzwanziger sieht aus wie jemand, den man an Sommertagen von Fangirls mit Metallic-Aufklebetattoos umringt im Mannheimer Hafen 49 antreffen würde. Irgendwie wirkt er aber trotzdem ein bisschen fehl am Platz in der Teeniewelt – und das macht ihn sehr sympathisch.

 

Samira

Der ganze Monat Dezember stand bei mir (ganz weihnachtlich) im Zeichen des englischen Punks. Dessen 40-jähriges Jubiläum nutze ich zum Anlass sämtliche Alben durchzuhören um eventuelle Wissenslücken zu füllen. Besonders festgesetzt hat sich I Heard It Through The Grapevine von The Slits, eine mehr als gelungene Coverversion des Marvin Gaye Klassikers.
Hoffen wir, dass die Queen mit ihrer Jubiläumsfeier der Subkultur nicht endgültig den Gnadenschuss gibt. Auf dass 2017 wieder mehr Frauen zu Instrumenten greifen, wir brauchen dringend ein Revival.
Nicht weniger britisch wird es mit Pulps Do You Remember The First Time. Die dandyhaften Texte strotzen nur so von Poesie und man sehnt sich förmlich danach, dass Jarvis Cocker einem Sätze, wie

So just lie against the wall and watch my conscience disappear now baby

ins Ohr haucht.