Menschen in unserer Umgebung sind zur Zeit verzweifelt: es wird Herbst. Kein Schwitzen, Sonnenbrand und Hitzeausschlag mehr. Traurig. Als positive Lebewesen versuchen wir natürlich, diese schweren Umstände gefasst hinzunehmen und sich ins Bett kuscheln, Kaba trinken und Serien gucken als annehmbare Aktivitäten zu verstehen. In diesem Sinne: stay strong und viel Spaß mit der fünfzehnten Ausgabe unserer Weekend Vibes.

 

Antonia

Dank Twin Peaks, das bei der ersten grauen Wolke am Himmel wie von Zauberhand wieder auf meinem Laptop lief, ist der erste Track meines Wochenendes Rockin’ Back Into My Heart von Julee Cruise.
Obwohl keiner von uns bei der diesjährigen Edition des Reeperbahn Festivals dabei sein konnte, haben wir doch alle mit Tränen in den Augen mitgefiebert. Der Preis für den affiglässigsten Bandnamen geht an Leopold and His Fiction, die Samstagabend dort zu hören waren. Bei uns gibt es diese Woche She Ain’t Got Time.

 

Carina

Nur weil das langsame Fallen des Laubs einen tiefen Impuls der Melancholie in uns freisetzt, heißt das nicht, dass wir unseren Geist hingebungsvoll der Trauer widmen müssen. Lasst uns stattdessen die bunte Verfärbung des Landes feiern und positiv sehen: It’s Very Sunny für diese Zeit, findet ihr nicht? Casino Versus Japan brachten diesen trippigen Track noch vor der letzten Jahrtausendwende raus – aber das wundervolle an Musik ist schließlich, dass es nie zu spät ist, sie für sich zu entdecken.
Wer auch immer die Redensart “Hässlich wie die Nacht” etablierte, soll für die Ewigkeit auf dem Friedhof meines Herzens liegen. Die Nacht glänzt nur so vor Schönheit, es ist die Zeit der Stille oder des endlosen Berauschens. Und genau darin liegt das Geschenk der kalten Jahreszeiten: verlängerte Nächte, viel Zeit der Besinnung, des Philosophierens und sich mit den grellen Lichtern der Stadt zu vereinen. Ich finde, Un des französischen Newcomers Jumo eignet sich bestens für den Nachtspaziergang durch die Dunkelheit, Kälte, Wind. Herbst, willkommen!

 

Maria

Nur noch 12 Tage bis zum Albumrelease der White Lies und 35 Tage bis zur Liveshow in Hamburg. Ich nehme das zum Anlass, White Lies mal wieder zu meiner Herbst-Lieblingsband zu kühren (mein Herz schlägt schon beim Gedanken ans neue Album), die mir um meinen Geburtstag herum solch Glück beschert und vergnüge mich bis dahin mit Take It Out On Me, einem der Songs, die bereits von Friends veröffentlicht wurden.

Tourdates:
21.10. Frankfurt, Gibson
22.10. Osnabrück, Rosenhof
23.10. Köln, Die Kantine
30.10. Hamburg, Übel & Gefährlich
31.10. Berlin, Huxley’s Neue Welt
09.11. München, Theaterfabrik

Beim Stöbern durch Spotify, stieß ich auf die neuste Single von Kate Nash, von der ich schon lange nichts mehr hörte. Good Summer könnt ihr euch auf jeden Fall auch mal anhören, wenn ihr das noch nicht getan habt, denn es ist, wie der Titel schon verrät, ein hübscher Swimmingpool-Sonnen-Cocktail-Song. Mein Song für das Wochenende ist aber Mouthwash, denn sind wir alle mal ehrlich: Wie lange haben wir den Song nicht mehr gehört und finden ihn aber grandios? Ich genieße den Rest des Wochenendes, mit zweien der Bands, die mir meine Jugendzeit versüßten, in der ich noch alle Songtexte mitsingen konnte und nehme mir vor, viel öfter die alten Classics zu hören.

 

Natalie

Ich befinde mich gerade in der finalen Phase der Auseinandersetzung mit brisanten wissenschaftlichen Themen (aka Studienarbeit), was bedeutet, dass mein Tag mit Textmaterial auf Deutsch und Englisch gefüllt ist. Das wiederum bedeutet, dass ich keine Musik mit deutschen oder englischen Lyrics hören kann – man darf sich ja nicht ablenken lassen und dem Sog der Lyrics verfallen! Deswegen ist Klassik top. Oder Songs mit Lyrics in unverständlicher Sprache.
Im Bereich ‘Klassik’ sticht für mich das Piano Trio in B-flat Major, Op. 99, D.898: I: Allegro moderato (dieser Titel!) von Franz Schubert heraus. Besonders in der Interpretation des “Million Dollar Trios”, d.h. dem Top-Violinisten Jascha Heifetz, dem Top-Pianisten Arthur Rubinstein und dem Top-Cellisten Emanuel Feuermann. Die Herren hassten die $$$-Bezeichnung zwar sehr (ih, Kapitalismus!), wenn man sich ihr virtuoses Spiel aber anhört, kann man den Gedanken dahinter schon nachvollziehen. Zehn Minuten nostalgische Träumerei (äh. Konzentration, natürlich!).
Die Kategorie ‘Songs mit Lyrics in unverständlicher Sprache’ führt Sofi Tukkers Drinkee an. Unverständliche Sprache heißt hier zwar nur Portugiesisch, aber ehrlich gesagt klingt es mit den Jungle-Pop Beats und der mantraartigen Textwiederholung noch viel exotischer. Ich empfehle euch wärmstens deren gesamte EP Soft Animals – läuft bei mir auf Dauerschleife (und erinnert mich an die Zeiten, als ich Piña Colada aus einer Ananas am Strand trank und nicht am Schreibtisch saß).

 

Samira

Dieses Wochenende findet in Mannheim der nunmehr zweite Elektrik Pony Club statt, ein zweitägiges Indoor Festival mit feinstem Line-Up für alle, die wie ich noch nicht ganz abgefunden haben, dass der Festivalsommer irgendwann doch enden muss. Während es draußen langsam kälter wird, habe ich die täglichen Bahnfahrten damit verbracht, die Festivalplaylist durchzuhören. Da ich hier aber nur einen Song empfehlen kann, fällt die Wahl auf White Wines Zeitgeist Plagiarist.

Absoluter Girlcrush des Monats ist die amerikanische Folksängerin Angel Olsen, die sich mit ihrem Album MY WOMAN mir nichts dir nichts in mein Herz gesungen hat. Nach einem David Bowie Fiebertraum entschied sich die Amerikanerin nicht mehr länger die nachdenkliche Folksängerin zu mimen und ihrer Musik in Zukunft mehr Sassyness zu verleihen. Die neue Platte ist eingängiger, glamouröser ohne dabei an Qualität und Tiefsinn zu verlieren. Wie gut ihr das Spagat gelungen ist, lässt sich im Video zu Shut up and kiss me sehen, bei dem sie natürlich selbst Regie geführt hat. You go, girl!