Nach fünf Jahren Funkstille veröffentlichten The Shins dieses Jahr überraschend ihr inzwischen 5. Studioalbum unter dem Namen Heartworms und machten so endlich wieder von sich bemerkbar. Zu Recht, denn sie haben an diesem Abend in Köln gezeigt, dass sie trotz neuer Bandbesetzung und langer Abwesenheit mit guter Laune live musikalisch überzeugen und entgegen meiner Erwartungen ordentlich aufheizen.
Die Indie-Band Kid Wave trat als Supportact auf und war dafür einfach die perfekte Wahl. Das sympathische Quartett aus London mit schwedischen Wurzeln zaubert einen angenehmen Sound, der die Beine zum Tanzen ordentlich aufwärmte und so für den ersten Schweiß innerhalb der Wände der Live-Music-Hall sorgte. Besonders die Songs Wonderlust und Everything Changes kann ich nur empfehlen! Die Stimme der Sängerin Lea Emmery passt perfekt zu den verzerrten Gitarrenklängen, weckt Sehnsucht nach Sonnenuntergängen am Meer und Roadtrips entlang an der Küste.
Es dauerte nicht lange und schon traten kurz nach dem Bühnenumbau The Shins in das grelle Scheinwerferlicht. Augenblicklich war die Atmosphäre in der gesamten Music Hall mit guter Laune gefüllt, denn das ehrliche und strahlende Lächeln der einzelnen Bandmitglieder steckte sofort an. Mit einem breitem Grinsen stellte sich Mercer ans Publikum, wirft noch jedem seiner Gruppe einen kurzen Blick zu und schon werden die ersten Takte zu Caring is Creepy angestimmt. Ohne zu Zögern sang das Publikum sofort kräftig und laut mit, schließlich ist der Song einer der bekanntesten Klassiker. Umso schöner zu hören, wie auch live die Stimme von Mercer die hohen Töne mit einer beeindruckenden Leichtigkeit trifft und er zeitgleich noch die Mütze auf seinem Kopf spielerisch hin und her schiebt.

Hold your glass up, hold it in. Never betray the way you’ve always known it is.

Genau diese lockere und ungezwungene Stimmung macht die Gruppe unheimlich sympathisch und übertragt sich sofort in der ganzen Halle. So wurden schlechte Witze gerissen, mehr für die Band selbst als für die Fans. Doch Mercer bekam den einen Spruch einfach nicht aus seinem Kopf, unterbrach mitten in Phantom Limb mit einem lauten „Fuuuuuck“ und entschuldigte sich sofort. Die Lacher vor der Bühne sind groß, selten hat man solch eine sympathische Band erlebt. Auch Mercer und der Gitarrist Mark Watrous lassen sich von ihrem Aussetzer nicht beirren und stellen direkt Vermutungen über ihre fehlende Scham auf. „I just fucked up because its too hot here!“, lacht Mercer und Mark beteuert zustimmend, wie er auch schon die ganze Zeit an seiner Gitarre mit seiner Hand entlang rutscht. Jedermann lachte und wischte sich automatisch selbst den Schweiß von der Stirn. Doch die sechsköpfige Band dachte nicht daran, langsamere Töne anzustimmen und spielte nach einer geglückten Wiederholung des zuvor unterbrochenen Songs sofort Simple Song. Augenblicklich stimmten alle um einen herum mit ein, die Hände wurden hoch gerissen und die Augen geschlossen, um von der ausgelassenen Atmosphäre so viel wie möglich aufzunehmen.

Love’s such a delicate thing that we do, we’ve nothing to prove, which I never knew.

Die Setlist war eine gute Mischung aus all ihren fünf veröffentlichten Album mit kleinen Verschnaufpausen durch die ruhigen Songs, welche stattdessen unter die Haut gingen und bei manchen für Tränen in den Augen sorgten. Besonders New Slang brachte das gesamte Publikum zum Stillstehen, sodass mancher es kaum wagte, zu atmen. Im Gegensatz dazu heizten die neuen Songs wie Name For You und Painting a Hole wieder richtig auf. Ein gelungener Abschluss gelang der Gruppe mit dem Song „Sleeping Lessons“, dessen Melodie mir noch am nächsten Morgen im Kopf kreiste und ergänzend zu den Erinnerungen an den Vorabend konnte ich den gesamten Donnerstag einfach nicht aufhören zu grinsen. Ausgelassene Wochenendstimmung mit The Shins an einem Mittwochabend, gerne immer wieder.

And you feel like an ocean, being warmed by the sun.

Setlist

01. Caring is Creppy
02. Australia
03. Name For You
04. Kissing the Lipless
05. Mine’s Not a High Horse
06. Girl Inform Me
07. Gone for Good
08. Mildenhall
09. Saint Simon
10. So Now What
11. Painting a Hole
12. The Rifle’s Spiral
13. Half a Million
14. Phantom Limb
15. Simple Song
Zugabe:
16. The Fear
17. New Slang
18. Sleeping Lessons

Text credits: Laura Mayer