Mit so einem rasanten Aufstieg schien niemand wirklich gerechnet zu haben. Nach einem wahnsinnigen Erfolg in Österreich, ist spätestens seit dem Erscheinen der Single Bologna auch ganz Deutschland mit dem Wanda-Fieber infiziert. Die bereits gebuchten Venues hier zu Lande sind schnell ausverkauft, es finden mehrere Nachholtermine statt. Keiner kann sich mehr dem Wanda Hype entziehen.

Nun ist es Ende November, Amore ist zwischenzeitlich Gold gegangen und Bussi erscheint noch im selben Jahr via Universal. Nach einer Tournee im Sprinter und Konzertmarathon haben Wanda mittlerweile einen Nightliner, die Venues sind deutlich größer und dennoch schon Wochen vorher ausverkauft. Ich mache mich auf den Weg in die halle02. Wie in diesem Post schon erwähnt, habe ich Wanda auf dem Maifeld Derby verpasst. Umso größer war die Freude die fünf Wiener nun endlich live zu sehen. Denn das scheint schließlich Wandas Spezialgebiet zu sein. Auf dem Weg zur Location treffe ich auf eine Gruppe im besten Alter, ihr Blick fällt auf eines der Plakate, die den Weg zur Halle schmücken.

Ach, die Fehlfarben gibt es auch noch? Wir werden alt.

Ein Schmunzeln geht über meine Lippen. Wie wohl die Fehlfarben Konzerte früher abgegangen sein mussten? Nachdem ich die halle02 betreten habe, wird mein erster Eindruck bestätigt: Das Publikum ist sehr durchmischt, es gibt viele ältere Grüppchen, die lässig an der Bar lehnen. Zwar ist es zu Beginn schon gut voll, dennoch gibt es kein nerviges Gedrängel, das Publikum ist durchweg entspannt und angenehm.

Als Vorband haben Wanda sich die Kölner Band Kent Coda ausgesucht, ein Indie-Folk Duo, dass seine Lieder auf türkisch zum Besten gibt. Sofort muss ich mich an die Hochzeit meines Cousins erinnern, auf der ebenfalls türkische Musik lief. Meine Gedanken schweifen ein wenig ab. Nachdem die Band mit dem Publikum warm geworden ist, beginnen die ersten Konzertbesucher zu tanzen. Als sie schließlich Bologna auf türkisch covern (Hier könnt ihr euch seit Kurzem das Cover anhören), haben Kent Coda die Herzen der Heidelberger längst erobert.

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Kurz nachdem die Kölner abgebaut haben, fängt das Publikum an Wandas 1,2,3,4 lautstark anzustimmen. Der Saal beginnt, sich rasant zu füllen. Nach einem kurzen Soundcheck springen nun endlich die Stars des Abends auf die Bühne! Ein Schrei ertönt. Das Set beginnt wie gewohnt mit Luzia. Ich habe mir einen Platz vorne gesucht, um die ganze Wanda-Ekstase hautnah mitzuerleben. Erstaunlicherweise sind deutlich mehr Männer als Frauen in den ersten Reihen, was ich zu Beginn anders eingeschätzt hätte. Die erwartete Ekstase tritt umgehend ein, spätestens nach dem dritten Song habe ich in ungefähr einem Liter Bier gebadet und unzählige schwitzige Körperteile an mir kleben gehabt, was sicher so sein muss. Das Publikum zeigt sich von Beginn an sehr textsicher, fast überengagiert. Auch Wanda scheinen von dem Einsatz der Heidelberger durchaus überrascht zu sein.

Das wird bös’ enden mit uns Heidelberg!

schreit Sänger Marco ins Mikrophon. Seine heißgeliebte Lederjacke klebt ihm auf dem schwitzigen Oberkörper, das weiße Hemd ist mittlerweile komplett aufgeknöpft. Lässig kommandiert er seine Gäste und die gehorchen aufs Wort. Das Publikum hängt förmlich an den Lippen des charismatischen Sängers. Die Lieder werden live fast doppelt so lang, denn immer wieder fordert er die Menge auf, mitzusingen. Verschiedene Stücke werden abgewandelt, erhalten hier und da eine bluesartige Note, was den Wanda-Sound für mich auf komplett neue Ebenen bringt. Die Band spielt lässig einen Song nach dem anderen, während des kompletten Sets gibt es keine schwache Minute und auch Marco überrascht mit live Gesangstalent. Zu Ich will Schnaps folgt der obligatorische Stagedive Richtung Bar, das Lied wird fast mantraartig in die Länge gezogen, hier erinnert der Song stark an Alabama Song von The Doors. Auch Marco scheint Fan von Jim Morrison zu sein, denn sein schamanenartiger Tanzstil weist durchaus Parallelen auf, aber von den Großen zu lernen, ist bekanntlich nie ein Fehler. Diesen kurzen Moment nutze ich selbstverständlich, um an meinem eigenen Schnaps zu nippen. Es wird ein Bier herübergereicht, das Publikum ist wirklich eines der angenehmsten seit langer Zeit. Parallel dazu kommt Sänger Marco mit einem Grinsen zurück auf die Bühne, er hebt seinen erbeuteten Alkohol mit stolzer Siegerpose Richtung Menge. Während ich mich frage, warum der Wein von der Bühne noch nicht längst die Runde gemacht hat, bekomme ich die Antwort in Form einer Weißweindusche.

Wanda scheinen sich über den Abend hinweg fast ein Gesangsbattle mit ihrem Publikum zu liefern, denn Heidelberg ist von der ersten Sekunde an laut, von Anfang bis Ende wird getanzt und getrunken und gesungen, als gäbe es keinen Morgen mehr. Die Leute liegen sich in den Armen, es wird geknutscht und gelitten. Amore eben. Wanda lösen an diesem Abend etwas aus, die Leute scheinen sich ihren Herzschmerz und ihre Freude von der Seele zu singen. Die Zeit verfliegt, viel zu schnell ertönen die ersten Klänge von Bologna. Dieses Lied ist die Hymne der Band, die anrüchigen Zeilen werden durch die halle02 mitgebrüllt. Der Song mit der Cousine machte Wanda über die Grenzen von Österreich bekannt und beendet den vorerst ersten Teil des Sets.

Nach kurzem Warten beginnt die Zugabe mit dem lange eingeforderten 1,2,3,4 spätestens hier gibt es kein Halten mehr, es werden Bussis verschenkt, sei es auf der Bühne oder im Publikum. Ein Mikroständer wird theatralisch zerschlagen, das ist der Rock n’ Roll, auf den wir lange warten mussten. Herr Wanda spricht offene Liebesbekundungen aus:

Wir würden wieder herfahren, auch wenn wir nur vor 10 von euch spielen

, das geht selbstverständlich runter wie Öl. Die bekennenden Beatles Fans covern kurz vor Ende A Hard Day’s Night, ich stehe inzwischen weiter hinten und es wird kräftig mitgewippt. Beendet wird das Set wie es angefangen hat, nach einem Schrei und einem weiterem Mal Luzia ist Schluss. Noch eine kleine Verbeugung, dann verlassen Wanda unter tosendem Applaus schließlich endgültig die Bühne. Ein Blick in die Gesichter der Konzertbesucher verrät es, die Wiener hinterlassen Glücksgefühle und Amore, wohin man auch blickt. An dieser Stelle sollten auch die letzten Zweifler überzeugt worden sein, denn was Wanda da live abgeliefert haben, war zweifelsohne unfassbar stark. Nach diesem Konzert bin auch ich ganz in den Fängen von Marco und Band, meine letzten Zweifel haben sich in Luft aufgelöst. Auch wenn ich mit Bologna immer noch wenig anfangen kann, aber das passt schon. Diese Band ist sehr gut eingespielt, hat sichtlich Spaß auf der Bühne, was sich wiederum auf ihr Publikum überträgt. Live kommen die Songs noch rauer und rockiger, was mir sehr positiv in Erinnerung geblieben ist. Falls sich die Aussage bewahrheitet und Wanda “Sicherlich bald wieder kommen”, empfehle ich jedem, sich die Band aus Wien einmal live anzusehen. Liebe Wandas, das war schön bei euch!

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Setlist

01. Luzia
02. Schickt mir die Post
03. Bleib wo du warst
04. Mona Lisa der Lobdau
05. Meine beiden Schwestern
06. Stehengelassene Weinflaschen
07. Das wär schön
08. Auseinandergehen ist schwer
09. Gib mir alles
10. Ich will Schnaps
11. Bologna
Zugaben:
12. 1, 2, 3, 4
13. A Hard Day’s Night (Beatles Cover)
14. Dass es uns überhaupt gegeben hat
15. Luzia

Photo Credits: Samira Wacker