Wenn ich an Dinge denke, auf die ich mich eine gefühlte Ewigkeit gefreut habe, dann fällt mir da die totale Mondfinsternis im April ein, jedes Jahr auf’s Neue die Festivalsaison und das Debütalbum von Robots Don’t Sleep: Mirror. Wir Marsmädchen hatten das Vergnügen, schon vorab hineinhören zu dürfen und möchten euch heute, am Tag vor dessen Erscheinung, einen ersten Eindruck davon vermitteln (natürlich ohne zu viel zu spoilern).

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Robots Don’t Sleep ist das deutsch-amerikanische Projekt des hochgelobten deutschen Produzenten Robot Koch (bürgerlich eine weniger mechanische Variante: Robert Koch) und dem Singer-Songwriter John LaMonica. Ursprünglich sollte das Debüt dieser Formation schon vor einigen Monaten erscheinen, doch musste es aus unbekannten Gründen mehrfach verschoben werden. Nun ist es endlich da, alles vergessen und vergeben und auch die kribbelige Vorfreude ist pünktlich wieder aus ihrer Schmollecke gekrochen.

Tracklist

Robots Don't Sleep - Cover Artwork 01 Trouble
02 Don’t Wake Me
03 Satellite Falls
04 Mirror
05 Hold It Down
06 Happy People
07 Find A Way
08 Safe Now
09 Without You
10 Arms
11 Run
12 Reverse Rewind

Beide haben in der Vergangenheit eigene (Solo-)Alben und EPs veröffentlicht, auf Kochs letztem Werk hörte man gleich in mehreren Stücken die Stimme des Texaners. Unter anderem auch im Keytrack Nitesky – das harmonierte so reibungslos, dass die beiden es erneut wagen wollten, ihre kreativen Köpfe oder vielmehr deren Gedanken verschmelzen zu lassen. Mit Erfolg.
Das, was dabei herausgekommen ist, ist ein verträumtes und dennoch glasklares Pop-Album vom Feinsten. Es ist in jeder Hinsicht das, was man in der Musikwelt als “deep” bezeichnen würde, angefangen bei den Beats bis hin zu den tiefsinnigen, wenn auch meist niedergeschlagenen Lyrics, die unter die Haut gehen und einem mit ihren kräftigen Schlingen das Herz zu zerbrechen drohen.
Dennoch: die Musik ist weder traurig noch depressiv, sondern in vielen Momenten das, was ich mir wünschte, mit heruntergelassenen Scheiben im Radio auf dem Weg zum See zu hören.
Der beste Beweis hierfür ist Trouble, das die Schultern sich völlig automatisiert zum nicht zu umgehenden Klatschrhythmus bewegen lässt, den Kopf mit seinen Vocals so leicht macht, wie (gute) Popmusik es im besten Falle auch dann tun sollte, wenn der Text so dunkel ist wie dieser hier und einen einfach nicht mehr los lässt.

Wer seinen Finger nicht davon abhalten kann, bei diesem Track den Repeat-Button zu drücken, dem wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch der Rest des Albums gefallen.
Neben der Qualität der 12 Tracks auf Mirror sollte auch die tiefe Vernetzung Kochs in der Musikwelt (national u.a. als Produzent für Ok Kid, Marsimoto und Casper) für den angemessenen Erfolg sorgen.
Das Wort perfekt sollte nicht zu häufig genutzt werden, dessen bin ich mir bewusst, dennoch finde ich es an dieser Stelle angebracht, folgenden Satz niederzuschreiben, in dem es vorkommt: Dieses Album ist die perfekte Mischung aus elektronischem Hintergrund und warm-berührender Stimme. Weder überproduziert, noch zu vocallastig.

Fazit:

Mit Mirror ist Robots Don’t Sleep eine Gradwanderung gelungen, an der die meisten Künstler scheitern: es ist massentauglich ohne dadurch etwas an seiner Schönheit oder Komplexität einbüßen zu müssen. Chapeau!

8,5/10

Photo Credits: Polacos & Jan Bode