2018 war ein gutes Jahr für weibliche Künstlerinnen: Da wäre einmal das grandiose Comeback von Robyn, die uns nach 8 Jahren quasi aus dem Nichts Honey um die Ohren haut, Hinds, die sich nach dem diesjährigen Dockville Festival endgültig in mein Herz gespielt haben und schlussendlich Cardi B, die uns mit ihrer Erfolgsstory zeigt, dass es doch noch Märchen gibt. Auch wenn sie heutzutage im Stripclub und nicht hinter den sieben Bergen beginnen. Bei der Auswahl an starken Alben möchte ich euch aber eine Künstlerin empfehlen, die dieses Jahr leiser, aber nicht weniger bestimmt, verzaubert hat – Molly Burch. Die 27-Jährige wuchs in der Schauspielszene LAs auf, entschied bewusst gegen den Trubel der City of Angels und zog nach North Carolina, um dort Jazzgesang zu studieren. Ihre Labelheimat hat sie bei Captured Tracks gefunden. Nach einem vielgelobten Debüt, indem sie vorrangig eine gescheiterte Liebesbeziehung verarbeitete, erschien im Herbst nun das schwierige zweite Album.

Die instrumentale Ummantelung auf First Flower ist warm, kleinteilig und trotzdem zurückgenommen genug, um dem Gesang genug Freiraum zu geben. Der Sound erinnert an verträumte 60s-Balladen, aber auch Einflüsse von Gesangsgrößen wie Nina Simone, die Burch als große Inspiration nennt, kann man heraushören. Stimmlich verfügt Molly über eine große Bandbreite, was sicher auf ihre professionelle Ausbildung zurückzuführen ist. Der Gesang wirkt stellenweise brüchig und weich, in anderen Momenten der Platte stark und bestimmt. Die ganz eigene Art, Worte wie Kaugummi langzuziehen, um sie danach abrupt abzusägen, ist beeindruckend. Mit den Worten

“Why do I care what u think? You‘re not my father.”

beginnt das Album sofort mit einem Highlight. Candy ist die bittersüße, tanzbare Abrechnung mit einer toxischen Beziehung. Während Songs wie Without You und Dangerous Place sich, wie bereits auf ihrem Debüt, mit gescheiterter Liebe auseinandersetzen, überzeugt First Flower mit einer thematisch größeren Bandbreite. Besonders hervorzuheben ist hier To The Boys, der mit seiner sanften aber bestimmten Fuck-You-Attitüde begeistert.“I don’t need to scream to get my point across/I don’t need to yell to know that I’m the boss.” – Zeilen wie diese zeigen, dass sich Molly Burch während der Arbeit an First Flower mit den eigenen Ängsten auseinandergesetzt und Friede mit ihren vermeintlichen Schwächen geschlossen hat.

Fazit:

Genau diese emotionale Transparenz ist, was First Flower als Album dieses Jahr so besonders macht – ein 11-Track-starkes Loblied auf die Softness. Während das Debüt konsequent von Herzschmerz durchzogen war, gibt es auf dem Nachfolger mit Candy, Wild und To The Boys auch Momente des Triumphes, eine Feier der eigenen Imperfektion. Gesangliche Finesse gekoppelt mit der verträumten musikalischen Ummantelung überzeugen im Zusammenspiel. First Flower hinterlässt ein warmes und zufriedenes Gefühl, macht Lust aufs Verlieben und überzeugt auf Platte genauso wie live.