Mal wieder heiß diskutiert war das neue Album von Drangsal schon in den letzten Wochen in vieler Munde. Deshalb und auch weil ich (Fan von Harieschaim) natürlich gespannt war, wie die neuen Songs klingen, habe ich mir das neue Werk nun auch angehört und erzähle euch hier, wie ich es finde.

Eine Geschichte leitet das Album seicht ein und verkörpert einen guten Intro-Song. Es ist keine Überraschung mehr, deutschen Text zu hören, denn auch die vorhergehende Singleauskopplung zeigte das schon. Die große Diskussion im Vorfeld verstehe ich überhaupt nicht.

Der zweite Song Jedem das Meine bringt musikalisch den gewohnten Sound ins Spiel, überzeugt aber auch von Max’ textlich guter Arbeit. Retrospektiv bleibt einem auch für den ganzen Tag ein Ohrwurm im Kopf – Hitpotential ist hier also auf jeden Fall vorhanden.

Es folgen zwei Songs, die sich stimmig einreihen, erst Sirenen bricht etwas aus dem melodischen Einklang aus – allerdings nicht viel. Der Song könnte rabiater sein, der sanfte Gesang dämpft das aber. Die Singleauskopplung Turmbau zu Babel kann ich mittlerweile von vorne bis hinten mitsingen, was meine Stimmung, die ich während der letzten Songs hatte, aufmuntert. Dieses Phänomen stellt sich tatsächlich immer ein, da ich zuvor veröffentlichte Songs natürlich schon viel öfter gehört habe. Ich finde sie dann meistens automatisch sehr gut – ob das von Künstlern gewollt ist und ob es auch anderen so geht, weiß ich bis heute nicht (Verratet es mir gerne), es hilft jetzt aber dem Album, meine Aufmerksamkeit zu wecken, sodass ich weiter zuhöre.

Motiviert wippe ich also bei den anfänglichen Gitarrenriffen von Weiter nicht mit dem Kopf, bin dann aber schnell gelangweilt. Über Arche Gruber freue ich mich – Hallo neues Lieblingslied! Die nächsten Songs plänkeln dahin und plötzlich ist das Album schon am Ende. Mit vorhergehend scheinbar größerer Erwartung werde ich davon enttäuscht, dass hier keine Highlights mehr passiert sind.

Während das Erstlingswerk Harieschaim immer wieder Brüche und tonspektakuläre Experimente hatte, fühlt sich Zores eintöniger, dadurch aber stimmiger und ausgereifter an – andere Stimmen würden das Album wohl als “erwachsener” bezeichnen. Der allseits bekannte Drangsal-Sound, der so oft als “Klingt ja wie Joy Division, The Smiths & Co.” charakterisiert wird, bleibt. Daran ändert auch nichts, dass der Großteil der Songs nun mit deutschem Text geschmückt sind. Auch wenn sich in den Texten viele dichterisch-schöne Stellen verstecken, gefallen mir die englischen Songs am besten und grundsätzlich das erste Album auch besser als das zweite hier.

Für den Fall, dass ihr keine Lust habt, lange bei Spotify zu suchen, haben wir euch das Album hier direkt eingefügt. Ein Anhören ist es definitiv wert, ob man das wiederholt, sollte schließlich jeder selbst entscheiden.