Lange haben wir gewartet, nun ist es endlich soweit! Bilderbuch, die wohl nach Falco die meist gehypte Band Österreichs ist, hat ihr neues Album Schick Schock veröffentlicht. Seit dem Maifeldderby 2014 sind auch wir Marsmädchen komplett dem Charme der Wiener verfallen (hier geht’s zum Bericht). Umso mehr freuen wir uns, euch jetzt unsere Albumkritik zu präsentieren.

© Christoph Pöll

Für viele, vor allem deutsche Hörer, scheint der Hype um Bilderbuch ziemlich schnell zu gehen, doch bis hierhin war es dann doch ein weiterer Weg. Begonnen hat alles 2005, ganz unglamourös in der Klosterschule in Kremsmünster. Dort begannen die Jungs als Schülerband, die vor allem Punksongs coverte. Ihr erstes Album namens Nelken & Schillinge würde ich als klassisches Indie Rock Album bezeichnen, das szeneintern bereits kleine Erfolge verbuchen konnte. Nach einem düsteren, zweiten Album, einem Mitgliederwechsel und einer radikalen Styleveränderung war es dann endlich soweit:
„Maschin“ wurde zum Sommerhit 2014, die Band war ganze vier Mal für den Amadeusaward nominiert, wovon sie schließlich auch einen mit nach Hause nehmen konnten. Den Status als Szenelieblinge haben sie erfolgreich hinter sich gelassen. Mit ihrem Sound sind Bilderbuch zum Aushängeschild des „Austropop 2015“ avanciert und öffneten Bands, wie beispielsweise Wanda, die Tür. Als Support von den Beatsteaks und Casper konnten sie mehr als genug Live-Erfahrungen sammeln, nun wird es Zeit für ihre eigene, große Schick Schock Tour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Tracklist

bilderbuch-schick-schock-cover-artwork 01 Willkommen im Dschungel
02 Feinste Seide
03 OM
04 Spliff
05 Schick Schock
06 Softdrink
07 Maschin
08 Barry Manilow
09 Rosen zum Plafond (Besser wenn du gehst)
10 Plansch
11 Gigolo
12 Gibraltar

Schick Schock hat nur noch wenig mit den vorherigen Alben gemeinsam, nach 9 Jahren Bandgeschichte vollkommen nachvollziehbar. Dem Indie Sammelbegriff kann man die Band keineswegs mehr zuordnen, das neue Album klingt mehr nach einer Mischung aus Rap, RnB und Funkrock. Der neue Sound wird auch in Willkommen im Dschungel, dem Opener des Albums, zum Thema. „Es kommt ein neuer Tanz auf tief im Dschungel. Wie All In im Discocasino.“ Dieser ist, im Gegensatz zu deren vorherigen Alben, smoother, experimentierfreudiger und natürlich sexy geworden. Allgemein sind deutliche Hip Hop Einflüsse zu hören. Inspiriert wurde die Band u.a. von den Red Hot Chilli Peppers, Prince, Falco und Kanye West, mit dem sie wohl die Liebe zum Autotuneeffekt teilen. Wie kann es sein, dass eine Band so eine, doch etwas radikale, Stilwandlung durchlebt? Maurice erklärte das einmal so:

„Ich glaube, es ist immer ein bisschen bewusst und ein bisschen unbewusst. Für uns ist Veränderung extrem wichtig, vom ersten auf das zweite Album war es schon eine große Veränderung. Das älteste Lied vom ersten Album haben wir mit 16 geschrieben, der Rest erklärt sich dann selbst, man wird älter. Irgendwo ist es ja immer die Herausforderung, wie kann Bilderbuch weitergehen. Stillstand war für uns schon immer langweilig, wir wollen uns selbst überraschen. Wir sehen uns eher an Leuten wie David Bowie inspiriert. Leute die nicht stillhalten, sondern weiter schreiten.“

Viele Songs der Platte kennen wir bereits von der Feinste Seide EP, die bereits erschienen ist. Zu Maschin muss man nicht mehr viel sagen: Einer der Sommerhits 2014, der außerdem mit dem dazugehörigen Musikvideo für Aufmerksamkeit sorgte. Darin wird mit Rap-Video-Klischees gespielt und das Auto, dass sonst eher als Statussymbol im Hintergrund zu sehen ist, wird zum eigentlichen Lustobjekt. Neben Maschin prägen Feinste Seide und Plantsch vorerst den neuen Sound des kommenden Albums.

Dieses ist (wie bei Track Nr. 1 bereits angekündigt) zu einer Expedition durch den Genredschungel geworden, bei der es an jeder Ecke etwas Neues zu bewundern gibt. So kokettiert Sänger Maurice im Titeltrack Schick Schock mit seinem, doch außergewöhnlichen, Stylings und dessen Wirkung. Er wurde übrigens erst kürzlich zum best gekleidetsten Österreicher gewählt, wie passend. Strophen, wie: Sparkling, Sparkling in meinem Glas, sag wer ist der Schönste an der Bar? Das Enfant terrible der New Schickeria! brennen sich förmlich in den Kopf des Hörers. Das Gitarrenriff ist bei diesem Song besonders auffällig. Der gitarrenlastige Sound zieht sich, mal mehr mal weniger, wie roter Faden durch das komplette Album.

„Ein Dogma der Platte war auch, die Gitarre zu retten. Der Mike ist ja ein Guitar-Hero. Wir wollten uns aus dieser Indie-Prozedur herauswinden und dazu stehen, dass wir Virtuosität besitzen und dass wir damit spielen können.“

Neben OM, dem Feel Good Song der Platte, der es sogar auf die Bravo Hits geschafft hat (!) und dem Herzschmerz Song Gibraltar, werden auch etwas ernstere Töne angeschlagen. In Barry Manilow wird die abründige Seite des Showbusiness beleuchtet. Durch den altbekannten Autotuneeffekt, der spätestens seit Moonboots zu einer Art Markenzeichen der Band wurde, zählt dieser Songs zu einem der experimentellsten des Albums. Deutlich fetziger kommt Gigolo daher, dem ich eine festen Platz auf den Tracklists der lokalen Indiedisko prophezeie. Eingehüllt in einem schönen Swinggewand und schnellen Strophen, versteht man die Kritik am Banken- und Börsenwesen erst nach häufigerem durchs Zimmer tanzen. Ein bisschen Punk Attitude haben die vier Wiener also doch beibehalten.

Zum Schluss muss ich noch ein wenig Kritik zu Softdrink äußern, einem raffiniertes Liebeslied, dass mit Plakativität spielt. Die Band hat sich hier Unterstützung von einem, bis dato unbekannten Rapper, geholt. Für mich war Softdrink einer der heißesten Songs des Albums, der mir live immer besonders gut gefiel. Leider wirkt der Rap Part unstimmig und lieblos, mir hätte die ursprüngliche Version deutlich besser gefallen.

Fazit:

Die Platte ist ein bisschen überzogen, wirkt dabei aber nie schmierig oder prollig. Bilderbuch provozieren ganz bewusst, sei es durch ihre Outfits, ihren nur so von Anglizismen durchzogenen Sound, oder die Liveauftritte. Dabei werden sie bei manchen Hörern wohl an Grenzen stoßen, wer sich aber darauf einlässt wird eine Menge Spaß mit Schick Schock haben. Das Album ist für mich eines der Spannendsten und Innovativsten seit einer ganzen Weile. Auch wenn es sich doch sehr von seinen Vorgängern unterscheidet, ist Eins gleich geblieben: Das Gefühl für gewitzte, intelligente Texte, auch wenn sie auf Schick Schock auf den ersten Blick weniger verschachtelt sind. Dazu kommen Videos, die herrlich erfrischend mit Klischees spielen, urgute Outfits, die jeden Modeblogger vor Freude das Smartphone zücken lassen und eine Bühnenpräsenz, die ihresgleichen sucht. Fakt ist, die Jungs haben mehr Spaß den je, bei dem was sie machen und es macht Spaß ihnen dabei zuzusehen. Wer braucht schon die hundertste 0815 Indieband? Niemand, genau. Wir prophezeien: Eine Kariere wie aus dem Bilderbuch (Sorry, aber das konnte ich mir nicht verkneifen.) und freuen uns die Vier weiter auf ihrem Weg zu begleiten – Wo sind die Drinks?

9/10

Livedates

Neben einigen Festivals im Sommer starten Bilderbuch im März eine große, eigene Tour. Wer sich von den Livequalitäten der Band überzeugen möchte, sollte schnell sein! Viele Konzerte sind bereits ausverkauft. Als Supportacts haben sich die Wiener Adi Ulmansky, Catastrophe & Cure und Olympique ausgesucht. Damit ihr nicht aus Versehen das Konzert in eurer Nähe verpasst, haben wir euch hier noch einmal die wichtigsten Termine aufgelistet:

21.03.2015 Täubchenthal Leipzig
22.03.2015 Mojo Hamburg
25.03.2015 Wagenhallen Stuttgart
26.03.2015 Stollwerk Köln
27.03.2015 Zoom Frankfurt
29.03.2015 Halle 02 Heidelberg

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Photo Credits: Christoph Pöll