Wir lassen dieses Jahr die Lobesrede weg – dass 2016 ein Arschloch von einem Jahr war, ist bekannt. Dennoch möchten wir uns bei all den Menschen, die uns die letzten 12 Monate musikalisch begleitet und unterstützt haben, bedanken. Danke an all die Künstler, die Alben veröffentlich haben, die all das Gräul erträglicher gemacht haben, danke an all die Veranstalter, die einfach weitermachen, danke an alle unsere neuen und alten Kontakte, die uns auf Festivals und Konzerte quer durch’s Land schicken und danke an dich, der du das gerade liest. Prost!

 

Antonia

Live-Highlight

Es war so wie fast immer, wenn meine Live-Highlights entstehen: komplett übermüdet, ohne jede Erwartung bin ich mehr zu Die Höchste Eisenbahn in die Stuttgarter Wagenhallen mitgenommen worden als aktiv gegangen. Zack!, Highlight. Gemocht habe ich den Rundumschlag der deutschsprachigen lyrikgetriebenen Musikbranche (Francesco Wilking gehört zu Tele, Max Schröder zu Tomte und Olli Schulz, Felix Weigt zu Kid Kopphausen und Spaceman Spiff, Moritz Krämer zu sich selbst) schon immer, aber dass die live so gut sind, war mir neu. Irgendwie entrückt, komisch und dadurch endlos sympathisch wirkten die zwischen den Liedern erzählten Geschichten, die musikalische Leistung stand der aufgenommenen in nichts nach – es war wie nach Hause kommen und willkommen sein.

 

Newcomer

Früher in der lauten Stuttgarter Band Boden unterwegs, macht Veronika J. König heute von Wien aus nicht minder laute Musik als FARCE und ist mit diesem Projekt mein Newcomer des Jahres. Ihr Debütalbum Ich sehe im vorbeifahrenden Auto den Unfall mitvorbeifahren in Zeitlupe und rueckwaerts wurde dieses Jahr auf Bandcamp veröffentlicht, die erste Pressung auf Vinyl erscheint im Januar via Meta Matter Records. Wer aus meiner liebevollen „James Blake mit höherer Stimme und ganz viel Fuzz“-Beschreibung nicht schlau wird, dem sei das Video zu A Moon Like Me ans Herz gelegt.

 

 

Maria

Live-Highlight

James Blake beim Maifeld Derby:
Als Blake vor Jahren beim Melt! spielte, ging er an mir vorüber wie eine Karawane im Großstadtdschungel. Oder eher ich an ihm, denn meine Tante, die nicht denselben Musikstil verfolgt wie ich, zog mich weiter zu irgendeinem anderen Auftritt (dass ich nicht mehr weiß, was wir da sahen, zeigt wohl schon, wie viel wichtiger, als einige andere Musiker, James Blake mir war). Mit dieser Vorgeschichte war das Konzert in diesem Jahr noch umso schöner.

Foals auf dem Dockville Festival:
Mein letztes Foals-Erlebnis verlief etwa so: Intro-Erster Song-Lautes Klatschen-Bewegung-Schöne Musik-Oh was, schon vorbei? Ich wollte mir den Auftritt in diesem Jahr auf keinen Fall entgehen lassen, weil der letzte so genießerisch schnell verging und ich eher eine Welle an Gitarrensounds vermischt mit Gesang erfuhr als wirklich mitzukriegen, wann gerade welches Lied genau gespielt wird. Aber tatsächlich lief dieses Konzert erneut so träumerisch ab und war aber trotzdem auch wieder ein Genuss.

 

Newcomer

Search Yiu hat es nicht umsonst in meine Top 10 geschafft, Ride On gehört zu meinen meistgehörten Alben 2016. Als ich ihn noch mit Drangsal als Band beim Maifeld Derby sah und zuvor zwei Songs kannte, war ich eher skeptisch, dachte „Na toll, noch einer aus dem Landauer Musikzirkus, mal gucken, was der kann.“ Aber der kann was! Und deswegen hat Search Yiu, als mein Newcomer 2016, mein Herzen gefunden. Ich freue mich schon auf mehr Hören und Sehen.

 

 

Natalie

Live-Highlight

Um etwa auf jeden Jahresrückblick zu verweisen: 2016 war total crazy, wird in die Geschichtsbücher eingehen (oder wollte man es rausstreichen?) und überhaupt ein richtiges Arschloch. Och jo. Ironischerweise war es dafür musikalisch (all die Platten! All die Konzerte und Festivals!) ein Traum. Für mich war das Roskilde Festival die Kulmination aller positiven Live-Erlebnisse. Grimes, Blaue Blume, New Order, M83 (♥), Savages, Chvrches, Badbadnotgood, LCD Soudsystem…alles fantastische Performances im Kontext des Festivals, das als Gesamtbild mein Live-Highlight ist.

 

Newcomer

Im Frühling war ich vom französischen Duo Her sehr angetan. Die zwei Herren aus Rennes sind in rhythmischen Pop/Electro/Funk-Sphären unterwegs und klingen so geschmeidig, dass deren EP Her Tape #1 bei mir für einige Wochen auf Dauerschleife lief und ich sie trotzdem immer noch ohne „oahh nicht schon wieder“-Gedanken hören kann. Die Dauerschleifeplays gingen dann fließend zu SX über, als ich Mitte des Jahres mein Faible für die belgische Musiklandschaft wiederentdeckte. Genau genommen ist das Trio aus Flandern kein Newcomer – ihr Debüt erschien schon 2012 – aber hierzulande schlugen sie noch keine großen Wellen. Blöderweise sind im deutschen Spotify nur vier Songs verfügbar (so underground). Für jeden, der modernem Deam-Pop nicht abgeneigt ist, lohnt sich die retro Youtube-Stöberei angefangen mit Gold aus dem Debüt oder Hurts aus dem im November erschienen zweiten Album.

 

 

Samira

Live-Highlight

Das Sziget Festival könnte man als komplettes Live Highlight bezeichnen, gaben sich Artists wie Sia, Last Shadow Puppets und Noel Gallagher die Klinke in die Hand (oder das Mikro badum tss). Trotzdem bleibt mir der Auftritt von Travis Scott am bildhaftesten in Erinnerung. Mit der mit Abstand kleinsten Kamera reihte ich mich diesen Sommer in die Schlange der wartenden Fotografen, vorne links neben der Bühne ein. Das Publikum war zu diesem Zeitpunkt schon ziemlich „turned up“ und ich dementsprechend aufgeregt. Als der Security uns noch mit den Worten: „Are you prepared? Cause this shit is going to get nasty“ warnte, war es bereits zu spät. Es folgten 45 Minuten Bass, auf die meine Ohren so gar nicht vorbereitet waren. Publikum so wie Rapper versprühten eine Energie, die ich bis zu diesem Zeitpunkt so noch nie erlebt hatte. Travis kletterte auf sämtliche Bühnenteile, die Fans rappten die komplette Show mit und fielen fast über die Absperrung, die zu meinem Glück hielt. Insgesamt war es der most lit Auftritt, den ich je erleben durfte. Oder wie mein Fotografenkollege meinte „fucking sick mate“.

 

Newcomer

Bei dieser Kategorie tue ich mich immer schwer, da der Begriff Newcomer für mich oft nicht genau feststeckbar ist. So zum Beispiel bei Der Ringer, die ich persönlich nicht mehr als Newcomerband bezeichnen würde, sie aber dieses Jahr mehr Aufsehen im „Mainstream“ bekommen haben. Nachdem ich die Hamburger 2016 mehrfach live sehen konnte, bin ich umso gespannter, was im kommenden Jahr so mit der Band passiert. Als bekennender Deutschrap Konsument (Schande über mein Haupt) muss hier auch unbedingt Rin erwähnt werden, dessen EP dieses Jahr zu den spannendsten Releases zählte und bei mir im Loop lief. Zuletzt habe ich noch eine Band auf meiner Liste, die auf den illustren Namen Public Access TV hören. Die New Yorker haben mit ihrem Debüt Never Enough nicht nur die most catchy Hooks des Jahres, sondern auch einen retro Sound, der den alten Rock and Roll New Yorks in ein neues Gewand hüllt.

 

Unsere liebsten Singles 2016