Wer unseren Countdown fleißig mitverfolgt, kann sehen, wie schnell die Zeit bis zum freudig erwarteten Maifeld Derby vergeht. Es sind ja tatsächlich nur noch wenige Tage! Damit euch am Ende des langen Festivalwochendes nicht ständig der “ach, hätte ich doch nur *Name eines Künstlers, den man unwissend verpasst hatte* gesehen!” Satz im Kopf herumschwirrt, präsentieren wir euch unsere absoluten Maifeld-Derby-Tipps. Am Ende könnt ihr übrigens mit unserem Timetable Konfigurator präzise euren Bühnenparcour planen.

Doch bevor es losgeht, noch ein paar Worte zum Maifeld Derby: Die diesjährige erst vierte Ausgabe findet vom 30.05.-01.06. wie gewohnt am MVV Reitstadion / Maimarktgelände in Mannheim statt. Es gibt vier Bühnen, für den ruhigen folkigen Parcours D’Amour wird das Reitstadion verwendet. Dieses Festival ist nicht mit anderen vergleichbar, denn man spürt die Liebe zum Detail, das Familiäre, und durch exzellentes Booking wird es auch für Menschen aus ganz Deutschland attraktiv und nicht nur für die Region um Mannheim. Drei von uns hat es in den ersten drei Jahren schon hingezogen, dieses Jahr werden vier von uns fünf anwesend sein. Kommt und trefft uns!

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Das Gute an kleinen Festivals ist außerdem, dass man so gut wie alle Acts sehen kann. Für die Haupt- (Zelt) und Nebenbühne (Open Air) funktioniert das auch super, doch gibt es parallel laufende Auftritte im Reitstadion und auf der Brückenawardbühne. Wir stellen euch ein paar Bands vor, die euch die Entscheidung erleichtern sollen und vielleicht wird eine geplante Pause dann genutzt, um sich eine – für euch bis dato unbekannte – wunderbare Band reinzuziehen. Auf geht’s:
(Reihenfolge zeitlich geordnet)

 

Bilderbuch

Freitag, 20:05-20:55, Fackelbühne

“Es gibt zu wenig Sex in der deutschsprachigen Musik, ganz grundsätzlich!”

kommentiert Maurice Ernst die Probleme deutschsprachiger Rockmusik. Diese Sexiness bringen Bilderbuch definitiv zurück! Die Wiener machen schrägen Glam-/Indierock, der durch prägnante Gitarrenriffs und absurd unterhaltenden Texten seinen ganz eigenen Charme hat.
2005 gegründet als Schulband, dauerte es knapp 8 Jahre bis Bilderbuch in Deutschland ankamen. Im Juni 2013 ging dann plötzlich alles ganz schnell: Plantsch stieg hoch in den FM4 Charts ein. Daraufhin wurden Noisey, Vice und tape.tv auf die Band aufmerksam und schwärmten in den höchsten Tönen. Die zweite Single Maschin steigerte diesen Hype noch weiter. Neben der Musik überzeugen die Jungs auch mit ihren beeindruckenden Musikvideos, die herrlich mit Klischees spielen. Bilderbuch machen einfach Spaß und verpönt ist Autotune seit ihnen auch nicht mehr; sondern ein wichtiges Stilmittel.

 

L’aupaire

Samstag, 15:00-15:40, Parcours D’Amour

Bands, die auf Festivals am Nachmittag auftreten, haben es bekanntlich schwer: sie müssen gut genug sein, um sich gegen unzählige Flunkyballpartien durchzusetzen, müssen mit einem Publikum vorlieb nehmen, das nicht nur deutlich weniger zahlreich sondern auch weniger bereit zu tanzen ist als das angeduselte der dunklen Nacht, und haben in den meisten Fällen auch die kürzeren Auftrittszeiten. Für L’aupaire dürfte das kein Problem darstellen, haben sie doch auch als Support von We Invented Paris schon erfolgreich die Menge in kürzester Zeit nachhaltig verzaubert. Unser Gefühl sagt uns, dass sie genau die richtige Band für den Samstagnachmittag sind und legen euch wärmstens ans Herz, sie euch entspannt bei einem Kaltgetränk anzusehen.

 

James Hersey

Samstag, 17:05-17:50, Fackelbühne

Das Interesse für die österreichische Musikszene scheint ja medial wieder etwas abzukühlen. Zum Glück aber nicht von Seiten des Maifeld Derbys. Neben Bilderbuch gestellt sich auch ein anderer Künstler des Nachbarlandes zum Line-Up: Das 24-jährige Multitalent (Singer/Songwriter, Mixtape und Musikvideo Produzent und Multinstrumentalist) James Hersey aus Wien. 2012 brachte er seinen ersten Free-Track, Anfang 2014 die kommerziell erfolgreiche Single Juliet raus. Musikalisch klingt er etwas nach Landsmann Left Boy, mit der gleichen einfachen Coolness, jedoch ohne die Badass-Attitüde. Dafür mehr Indie und mehr sommerliche Milky Chance Arrangements.

 

Son Lux

Samstag, 17:50-18:40, Palastzelt

Son Lux, eigentlich Ryan Lott, kommt aus Colorado (derzeit wohnhaft in New York) und hat sowohl eine klassische Klavierausbildung als auch ein Studium der Komposition und des Piano abgeschlossen. Wer jetzt aber die Festivalbühne zum philharmonischen Konzertsaal umfunktionieren sieht, der irrt. Tatsächlich sind noch einige klassische Einflüsse vorhanden, jedoch wüsste ich selbst nicht genau, wie ich Son Lux’ Musik eigentlich genau beschreiben sollte. Habe also einen Musikkenner meines Freundeskreises nach einer passenden Beschreibung gefragt und möchte ihn an dieser Stelle zitieren: “Krächzchoralstimmen (außer sie schnappen sich eine Dame vom Tennisplatz [die Rede ist von Lorde]) mit future was yesterday Orchester, das irgendwie nach Klarinetten auf LSD klingt.”
Das lasse ich einfach mal so stehen.

 

SOHN

Samstag, 19:25-20:15 Uhr, Palastzelt

Nach gescheiterten Projekten in England zieht Toph Taylor wegen der Liebe nach Wien. Unter dem Namen SOHN sammelt er viele Fans via Soundcloud und remixt Künstler wie Lana del Rey oder Rhye. Trotz großem Interesse lehnt SOHN Interviews und Fragen zu seiner Person vehement ab, sein Gesicht sah man zu dieser Zeit höchstens hinter Nebel oder im verschwommenen Profil. Mit seinem Album Tremors gelang ihm schließlich der Durchbruch; diverse Magazine rissen und reißen sich noch immer um ein Interview mit ihm. Grund dafür ist ohne Frage Taylors engelsgleiche Stimme gepaart mit minimalistischem Elektrosound, wodurch er den Nerv der Zeit trifft wie kein Zweiter.

 

Get Well Soon

Samstag, 21:05-22:10, Palastzelt

Wir wagen zu behaupten, dass jeder ihm in irgendeiner Art und Weise schon einmal über den Weg gelaufen ist, denn an Konstantin Gropper, dem Kopf hinter Get Well Soon, ist in der deutschsprachigen Musikwelt kein Vorbeikommen: er ist gefragter (Co-)Produzent (unter anderem für Casper), hat den Titeltrack Oh Boy zur Filmmusik der großartigen deutschen Tragikomödie um Tom Schilling geliefert und war erst vor kurzem Jurymitglied in der Wahl der 700 besten Songs aller Zeiten des Musikexpress’. Wir freuen uns auf den Kontrast zwischen den düster-intelligenten Popsongs des Multiinstrumentalisten und der ausgelassen-fröhlichen Kulisse des (Zitat Get Well Soon:) Festival of the Year.

 

Motorama

Samstag (Sonntag), 00:10-01:10, Brückenaward Bühne

Irgendwas muss schiefgegangen sein, denn Motoroma sind selbst jetzt, nach zwei Alben und diversen EP-/Single-Veröffentlichungen, noch immer relativ unbekannt und auch in Mannheim auf die “Spartenbühne”, auf welcher sonst ausschließlich “härtere Musik” läuft, abgeschoben worden. Deutschland ist immer ein bisschen hinterher und sie werden ganz sicher auch noch größer mit der Zeit, aber hier ergibt sich die Möglichkeit, sie noch in kleinem Rahmen zu sehen. Die aus Russland kommende Post-Punk/New-Wave Gruppe hat es auch schon geschafft, Lima (Perú) zu erobern. Ich bitte euch: kommt zum Brückenaward und seid auch so ein geniales Publikum wie im nachfolgenden Video!

 

The National

Sonntag, 20:00-22:00 Uhr, Palastzelt

The National zu erwähnen mag völlig unnötig sein, sind sie doch DER Headliner schlechthin und vermutlich bei euch allen auf der Liste. Wie das kleine Maifeld es geschafft hat, diese Top-Band, die normalerweise riesige Hallen und Stadien befüllt, an Land zu ziehen, ist uns ein Rätsel. Sicher ist nur: Ihr werdet nie wieder die Chance bekommen, The National in so kleiner Atmosphäre erleben zu können. Auf dass das Zelt nicht platzt und zwei ungewohnt lange – für Festivalverhältnisse – Stunden, vollgepackt mit emotional-melodischen Titeln der letzten 15 Jahre!

Photo Credits: Sophie Krische