Im sogenannten „Musikjournalismus“ ist das euphorische Umherwerfen von Hyperbeln und Superlativen die #1 unter den Volkskrankheiten. Dennoch darf uns Glauben geschenkt werden, wenn wir das Maifeld Derby als unser unangefochtenes Lieblingsfestival bezeichnen. Grund genug, hiermit unsere Berichterstattung zu seiner siebten Edition, die vom 16. bis zum 18. Juni 2017 in Mannheim stattfindet, zu beginnen.
Wie schon in den letzten Jahren wird es euch auch in diesem wieder einen liebevoll von uns erstellten Timetable-Konfigurator geben, mit dem das Bühnen-Hopping perfektioniert werden kann. Bis dahin empfehlen wir für das Maximum an Vorfreude, den Stift zu zücken und beim Betrachten unserer 10 bisherigen Line-Up-Highlights mitzuschreiben, hier ein Ticket zu kaufen und unseren Nachbericht zum letzten Maifeld Derby zu lesen.

 

Voodoo Jürgens

Freitag, 18:40 – 19:20, Fackelbühne

Ja, schon wieder neue Musik aus Wien, aber ihr musst dem armen Voodoo Jürgens eine Chance geben. Im Gegensatz zu Bilderbuchs gymnasiale Hauch von Mundart, gibt es bei Voodoo die volle Bandbreite an Wiener Schmäh. Der Musiker ist, wie Kollege der Nino aus Wien, beim von Stefan Redelsteiner gegründeten Erfolgslabel Problembär Records unter Vertrag. Hört man sein Debüt Ansa Woar fühlt man sich gerade so, als säße man in einem verrauchten Randbezirksbeisel bei der vierten Weinschorle. Das soll auch so sein, denn der Liedermacher schreibt am liebsten über eigene Alltagsbeobachtungen, besonders Randgestalten scheinen in magisch anzuziehen. Bis zum Maifeld müssen wir noch ein bisschen Vokabeln lernen, dann geht sich das auch alles aus (stimmt doch so, oder?).

Cigarettes After Sex

Freitag, 21:00 – 22:00, Palastzelt

Die Band ist uns spätestens seit dem diesjährigen Valentinstag sehr sympathisch, nachdem sie eine Valentine’s Day Breakup Playlist veröffentlichten. Die Musik ist melancholisch düster und vielleicht nicht so festivaltauglich. Das werden wir aber mit großer Freude herausfinden.

White Wine

Freitag, 00:20 – 01:10, Brückenaward

Auch White Wine haben wir schon mehrfach live gesehen, zuletzt im Rahmen des Elektrik Pony Cups, dem Tochterfestival des Maifeld Derbys und schreiben sie deswegen schon jetzt in großen roten Lettern auf unsere „NOT TO BE MISSED, NO MATTER WHAT HAPPENS“-Liste. Was wir bei ihrem Auftritt 2015 beim Maifeld Derby im schnuckeligen Parcours d’amour gefühlt haben und wofür wir ihnen direkt einen Preis verleihen würden, ist hier nachzulesen. Den Zusatz „Vin Blanc“ in ihrem Alter Ego haben sie inzwischen abgelegt, den Wahnsinn behalten.

Metronomy

Samstag, 20:50 – 22:00, Palastzelt

Wir kommen nicht drumherum, mindestens einen Headliner zu erwähnen. Aber mal ehrlich, wie kann man sich denn nicht auf die britischen Stimmungsmacher freuen? Wir sehen jetzt schon wild springende und laut singende Menschen vor der Bühne und freuen uns aufs Auspowern.

Kate Tempest

Samstag, 22:00 – 23:00, Fackelbühne

Europe is lost, wie passend dieser Satz noch werden würde, war Kate Tempest selbst bestimmt nicht ganz bewusst. Die Engländerin ist nicht nur Rapperin, sondern auch Schriftstellerin, Poetin, Humanistin oder kurzum: Ein Wunderkind unserer Zeit. Die in South London geborene Kate brach mit 16 die Schule ab, um sich voll und ganz ihrer Leidenschaft zu widmen. Als scharfsinnige Beobachterin sog sie das Leben ihrer Mitmenschen wie ein Schwamm auf, um es wenig später gekonnt auf Papier zu bringen. Ihre Texte behandeln soziale Missstände, die in einer gentrifizierten Stadt wie London offenliegen. Wir sind sicher, dass sie uns nach ihrem Auftritt sprachlos zurücklassen wird.

Mitski

Sonntag, 14:00 – 14:40, Fackelbühne

Wüsste man es nicht besser, würde man eine ganze Band hinter dem Namen vermuten, es handelt sich allerdings nur um eine talentierte Künstlerin. Der Stempel, alleinstehende Musiker direkt als Singer-Songwriter zu betitelt, passt absolut nicht zu ihr. Mitski hat eine so wunderbar verträumte Stimme, die sich in ihre Melodien einfügt, sodass perfekte Songs entstehen, die eben gar nicht so klingen, als steckte nur eine Person dahinter.

Whitney

Sonntag, 14:40 – 15:30, Palastzelt

Die Emotionen von Whitney Houston, die Kraft von Whitney Schnuck: Whitney aus Chicago bezaubern uns seit Anfang letzten Jahres und haben es mit ihrem Debüt Light Upon The Lake sogar in unsere letzten Jahrescharts, sowie in unseren Plattenschrank geschafft. Umso gespannter sind wir nun, herauszufinden, ob die ruhigen Töne auch im Festivalkontext funktionieren.

King Gizzard & The Lizard Wizard

Sonntag, 17:30 – 18:30, Fackelbühne

In der Bestenliste der Bands, die in kürzester Zeit die meisten Alben veröffentlichen, sind King Gizzard & The Lizard Wizard mit zehn Alben in den letzten fünf Jahren ganz oben mit dabei. Zwei davon sind seit Anfang des Jahres auf den Markt gekommen, bis 2018 sollen noch drei weitere folgen. Wie solch ein quantitativ und experimentell explosiver Musikfundus auf der Bühne funktioniert, wird sich im Juni zeigen.

Wand

Sonntag, 18:30 – 19:30, Brückenaward

Wand kennen viele durch Sessions für KEXP oder Rough Trade. Die Gruppe aus LA zählt zu den fleißigen Bienchen unter den Musikern, denn sie haben in nur zwei Jahren ganze drei Studioalben veröffentlicht. Fans von Ty Segall oder White Fence können aufatmen, denn beide Künstler sind nicht nur Labelkollegen, sondern auch große Inspirationsquellen der Band. Wie die Musik, sind auch die bisher veröffentlichen Musikvideos psychedelischer Natur, aber seht selbst.

Parcels

Sonntag, 20:30 – 21:30, Brückenaward

Als uns neulich beim Besuch des Two Door Cinema Club Konzerts ein Bekannter sagte, er sei eigentlich vor allem für die Vorband da, die Hauptband finde er gar nicht so gut, haben wir zunächst ratlos und unwissend mit den Köpfen geschüttelt – bis uns klar wurde, wer besagte Vorband war: Parcels. Wir stellen uns ihren Auftritt auf dem Maifeld Derby so vor: Fackelbühne, die Nachmittagssonne brennt herunter, Glitzer, Konfetti und bunte Kleidung überall. Wie wir darauf kommen? Seht selbst: