Da die schönen Stunden meist schneller vergehen als die langweiligen, sind auch die drei sonnigen Tage des 4. Maifeld Derbys nur so an uns vorbeigerauscht. Fünf von uns Marsmädchen waren dort (wir sind mittlerweile zu sechst, mehr dazu demnächst!), das bedeutet: fünf verschiedene Meinungen sowie fünffach viele Highlights und Enttäuschungen, die wir heute – mit zwei Wochen Abstand – in schriftlicher Form Revue passieren lassen wollen.

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Von Anfang an war klar: dieses Jahr wird alles eine Nummer größer. So hatten beispielsweise die Open Air Bühne und das Palastzelt ein Upgrade erhalten, was angesichts des Sonntagsheadliners The National, viele – teilweise weit angereiste – Besucher nach Mannheim lockte. Die beliebte Parcours D’Amour Tribüne durfte ihren alten Platz behalten und avancierte schnell zu einem unserer Lieblingsplätze.
Alles wurde, genau wie die letzten Jahre, liebevoll von den fleißigen ehrenamtlichen Helfern dekoriert. War das Essensangebot letztes Jahr noch zu bemängeln, wurde es dieses Jahr durch viele vegane/vegetarische Stände erweitert und verbessert. Außerdem gab es natürlich das hochgelobte Handbrot und Crêpes für die hungrigen Festivalbesucher. Die Veranstalter hatten sich die Wünsche des Publikums sichtbar zu Herzen genommen. Ein großes Lob von uns an dieser Stelle – es war uns ein riesiges Vergnügen!

 

Freitag, 30.05.

Laura Carbone: Frau Carbone hatte es nicht leicht: als erster Act eröffnete sie am Freitag um halb fünf nicht nur die Fackelbühne, sondern auch das diesjährige Maifeld Derby. Leider konnte auch der Bonus hierfür die etwas zu gewollt punkig-rebellisch Attitude nicht wirklich ausgleichen und so war es zwar ein ganz netter Einstieg, wir hätten uns allerdings ein klein wenig mehr erhofft.

Fenster: Der Name der Band ließ uns eine deutsche Band vermuten, doch die Mitglieder kommen aus Amerika, Frankreich, New York und Deutschland und lernten sich – wie fast jede dritte Band – in Berlin kennen. Gleich zu Beginn des Auftritts fiel uns die Vielfalt der Instrumente besonders auf, auch dass die Gesangsparts nicht alleine von einem Sänger übernommen wurden, war sehr erfrischend. Während des kompletten Auftritts merkte man, dass alle Bandmitglieder die Songs mit sehr viel Gefühl vortrugen, besonders der Sänger Jonathan (hihi <3).

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Bilderbuch: Bilderbuch konnten wir bislang nur in ihren aufwändigen Videos bewundern, doch was für eine Show die vier Wiener uns beschert haben, hätten wir wirklich nicht erwartet. Der charismatische Sänger Maurice weiß genau, wie er das Publikum zum Ausflippen bringt, so gab es viel Geschrei als er ein paar Witze auf Kosten der Popakademie machte. Hier ein kleiner Auszug:

“Dieser junge Mann hat sich bei euch als Schlagzeuger beworben, ihr wolltet ihn nicht. Seht her! Jetzt spielt er bei Bilderbuch.”

Aber auch die Gitarren-Soli und sexy Tanzeinlagen dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Das logisch aufgebaute Set enthielt etwas für alte sowie neue Bilderbuch-Fans. Die Band begann mit ihrer aktuellen Single Feinste Seide und spielte sich die nächsten 40 Minuten durch 5 Jahre Bandgeschichte. Mit Maschin, dem Song mit riesigem Ohrwurmpotential, beendeten Bilderbuch ihren ersten Festivalauftritt dieses Jahres – wir fanden es urgut und hatten super viel Spaß im Sonnenuntergang!

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Future Islands: Bei Einbruch der Dunkelheit versammelte sich das Festivalpublikum erwartungsvoll vor der Fackelbühne, um Future Islands, eine Band aus Baltimore, zu sehen. Schon kurz nach Beginn flogen große rote Pappherzen ins Publikum, so machte die Band auf das Projekt Naked Heart vom Fotografen Gerrit Starczewski aufmerksam, das für Freunde der Nacktheit spannend sein dürfte. Sich in einem intensiven Ausdruckstanz über die Bühne bewegend und noch mehr durch die Bewegungen der anderen Bandmitglieder in den Mittelpunkt rückend, die nämlich lediglich ihre Hände bewegten, damit aus ihren Instrumenten die Töne flossen, zog Sänger Gerrit Welmers das Publikum in seinen Bann und seine starke Stimme kam auch in schlechter Akustik zur Geltung. Mit Highlights wie Seasons (Waiting for you) und Sun In The Morning entlockte die Band dem Publikum auch die ein oder andere Träne und eine unendliche Glückseligkeit den ganzen Abend über.

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Johnossi: Im Vorfeld herrschte große Vorfreude auf diesen Auftritt, hatten wir zu Man Must Dance doch schon auf so mancher Indie-Party das Tanzbein geschwungen. Leider wurden die Erwartungen, die wir an ihren Auftritten hatten, alles andere als erfüllt – vielmehr wurden wir (und in diesem Punkt sind sich alle Marsmädchen einig) enttäuscht. Eben genannter Tanzflächenfüller fiel live deutlich energieloser aus als die Singleversion und viele ältere bekannte Tracks wurden zu unserem Bedauern nicht gespielt.

FM Belfast: Die Isländer sind ja wirklich bekannte Festivalperformer mit ihren Gute-Laune-Liveshows. Kein Wunder also, dass sie zum wiederholten Mal beim Maifeld Derby spielten (na, deren Tourmanagerin studierte schließlich an der Popakademie). Wie erwartet gab es eine theatralische Bühnendarbietung mit Publikumseskalation vom Feinsten. FM Belfast eben.
Anmerkung: Wer FM Belfast schon öfters live sah, wird sich mit der Zeit langweilen. Man weiß, was einen erwartet (> Striptease, Cover-Versionen, viel Geschrei) und wird kaum was Neues erleben. Viel mehr werden die alten, wirklich guten, Songs durch die neuen grausamen ersetzt. Sorry!

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Aftershow: Von der Aftershowparty haben wir am Freitag nichts mehr mitbekommen, da wir einfach zu erschlagen von den ganzen Eindrücken waren.

 

Samstag, 31.05.

L’Aupaire: Hachja, L’Aupaire. Hachja, Parcours D’Amour Bühne. Hachja, Sonnenschein. Hachja, ein schön entspannter Auftritt, bei dem alles stimmig war. Achja: Highlight!

Solander: Eine der sympathischsten Band des Maifeld Derbys. Der schönste Mann der Welt, natürlich ein Schwede. Und als würde die Schönheit, das musikalische Talent, Humor und Sympathie nicht schon reichen, arbeitet Fredrik Karlsson nebenbei in der Stadtbücherei von Malmö. Wir Marsmädchen wurden auf einmal wieder kleine Teenage-Fangirls und konnten unseren schmachtenden Blick nicht von der Bühne wenden. Aber natürlich ist die ganze Band erst mit der anderen Hälfte Anja Linna, die am Cello saß und der Liveunterstützung von Albin Johansson und Adam Hjertström komplett, die wir hier nicht außen vor lassen wollen!

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Charity Children: Da dachten wir ja, der Samstagnachmittag könnte nach Solander kaum noch schöner werden, kommen noch Charity Children um die Ecke. Eine Gruppe, so bunt gemischt, dass sie sich nur in Berlin alle haben treffen können. Sie übermitteln Spaß, Leichtigkeit und Frontfrau Chloë Lewer mit Frontmann Elliott McKee Verliebtheit, und so rollen spätestens beim Erfolgssong Elizabeth die ersten Tränen. Was soll man noch groß zu einer Band sagen, die neben der Bühne einen Koffer voll CDs stehen hat, die sie für “10 euros or kisses” verkaufen? 10 Küsse einfach.

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James Hersey: Marsmädchen, die nicht bei Charity Children waren, sahen James Hersey. Auf die Ohren gab es erfrischenden Electro-Pop gepaart mit souligen Beats. Entweder ist der Singer/Songwriter schon lange auf Bühnen unterwegs, total in seinem Element oder alles zusammen; in jedem Fall ist er eine Rampensau und es macht dem Publikum gleich doppelt so viel Spaß, wenn man die Begeisterung in den Augen des Künstlers ablesen kann. Auch wenn James durchgehend eine Sonnenbrille trug, ähhm ja. Don’t Say Maybe kristallisierte sich als ein favorisierter Track unter den Zuschauern heraus, zumindest konnte kein Fuß mehr stillhalten und die Menge tanzte fröhlich zur perfekten Gute-Laune-Musik am Nachmittag.

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Spaceman Spiff: Nur mal kurz vorbeischauen war der Plan, schließlich fing nur 25 Minuten später Son Lux an, doch dann kam alles anders: Nachdem wir uns einen Platz auf der zwar extra vergrößerten, aber dennoch heillos überfüllten Tribüne des Parcours D’Amour erkämpft hatten, unsere Augen auf die Bühne und den Würzburger (wir hätten auf Hamburg schwören können!) Singer/Songwriter Spaceman Spiff gerichtet hatten, wurden wir verzaubert und blieben bis nach der akustisch im Publikum gesungenen Zugabe. Als Fan von Gisbert zu Knyphausen und den alten Sachen von Bosse ein absolutes Highlight.

Son Lux: Der heimliche Star des Festivals, die große Diskokugel des Palastzeltes, brachte Son Lux den letzten Schliff zum meisterhaften Auftritt. Der US-Amerikaner versetzte zusammen mit seiner Band das Publikum mit elektro-orchestralen Sounds in einen tranceartigen Zustand. Besonders das energische Ende mit der fast schon rockig anmutenden Live Version von Lost It To Trying hatte eine überirdische Wirkung. Oh, er hatte auch eine Triangel!

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SOHN: SOHN stand bei ein paar von uns ganz oben auf der Liste der Acts die wir auf keinen Fall verpassen dürfen. Kein Wunder, denn der Wahlwieners scheint das nächste große Ding zu sein und somit waren wir sehr froh ihn nochmal in einem, vergleichsweise kleinen Rahmen sehen zu können. In einer Wolke aus Kunstnebel und verhüllt in einer schwarzen XXL-Kapuze betrat SOHN die Bühne des Palastzeltes. Beeindruckend gut performte er seine Songs live, die perfekte Kopfstimme gepaart mit vielschichtigen Sounds und einer einmaligen Lichtshow machten diesen Auftritt zu einem absoluten Highlight.

POND: Die Mischung macht’s – nach den groovigen R’n’B Beats von SOHN verließ man das Zelt und wurde direkt von den Post-Rockigen Overdrive-Gitarren-Schmetterungen begrüßt. Zwei Mitglieder von POND spielen bei der begehrten Psychedelic-Band Tame Impala und auf ähnlichem Gebiet bewegt sich ihre Musik. Angehaucht von den guten alten Zeiten (in denen weder wir noch die Bandmitglieder lebten) aber mit etwas mehr “wumms” leiteten sie in der Dämmerung den Abend ein. Im direkten Vergleich mit Temples, siehe weiter unten, konnten POND in jedem Fall mehr überzeugen.

Get Well Soon: Für Konstantin Gropper und sein Grand Ensemble war es ein Heimspiel. Logisch dass man seine eigene Band auftreten lässt, wenn man selbst der Veranstalter des Maifeld Derbys ist. Schon vor dem Auftritt war das Palastzelt ziemlich voll. Dank dem Grand Ensemble, das unter anderem mit Streichern und Bläsern ausgestattet war, wurde die Show sehr atmosphärisch und emotional. Die Songs Roland, I Feel You und 5 Steps/7 Swords setztem dem genialen Auftritt die Krone auf, wir verneigen uns vor Get Well Soon, der übrigens noch diesen genialen Satz sagte:

“I hate every kind of patriotism but Mannheim you make it really hard. I must say I am a Mannheimer.”

Mighty Oaks: Als es langsam begann zu dämmern, machten wir uns auf den Weg zur Fackelbühne, auf der Mighty Oaks auftraten. Deren folkige Musik passte perfekt zur Stimmung der Leute, die alle sehr glücklich und tanzfreudig waren. Hits wie Brother, When I Dream, I See und weitere durften natürlich nicht fehlen und rundeten einen durch und durch harmonischen Auftritt ab.

Warpaint: Beeindruckt waren wir von der kalifornischen Mädels-Power-Band Warpaint von Anfang an: da war dieser hypnotisierende Gesang, der an Meerjungfrauen (oder gar Sirenen?) erinnerte gepaart mit einer Lässigkeit, die man sich so wohl nur aneignen kann, wenn man unter ständigem Sonnenschein aufgewachsen ist. Dann coverten sie auch noch David Bowies Ashes to Ashes – unsere Augen sprühten Herzchen und unsere Füße tänzelten nur so durch das perfekt staubige Palastzelt.

Hundreds: Zu später Stunde und in großer Tanzlaune freuten wir uns auf Hundreds und wurden nicht enttäuscht. Beim Electro-Pop unter leuchtender Diskokugel hatten wir einfach Spaß. Hundreds zogen in einen Bann, man musste über nichts nachdenken sondern konnte nur die Musik genießen und den Körper dazu bewegen. Man möchte fast sagen, dass die Band aus Hamburg immer und überall einen Erfolg bringt, so sind sie immerhin auch bei jedem Mailfeld Derby bisher dabei gewesen. Leider machte das Publikum ein wenig den Eindruck von Lustlosigkeit, oder lag das nur an einem anstrengendem Tag?

Aftershow: Im Gegensatz zum Vortag waren wir am Samstag motivierter, uns auf den Weg Richtung Red Bull Aftershow zu begeben (er war ja auch wirklich nicht lang). Den Anfang machte Lopazz, ein Dj der hauptsächlich als Musikproduzent arbeitet und unter anderem Filmusik für UNESCO Produktionen schrieb. Nachdem wir am Freitag zu einem Mainstream-Mix gemächlich hin und her getänzelt sind, konnten wir hier zu feinsten Elektro- und Technobeats alles an Energie raustanzen, was vom Festivaltag übrig geblieben war.

Kurz vor Ende des zweiten Festivalabends heizten uns Joe und Chriss, alias Drunken Masters, noch einmal ordentlich ein! Gespielt wurden viele Mashups und Remixe vom “Hour of Power 2”-Mixtape, aber auch der ein oder anderen Hip-Hop Klassiker wurde zum Besten gegeben. Diese zwar ungewöhnliche Wahl für ein vom Indie geprägtes Festival wurde vom offenen Publikum überraschenderweise sehr gut angenommen.

 

Sonntag, 01.06.

Still Parade: Die Aftershow-Party ging bis spät in die Nacht, so war es für die meisten von uns unmöglich, Sonntag schon zu Beginn anwesend zu sein (keiner von uns hat dort gezeltet und die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr dauert etwas). Doch da auch nicht alle bis tief in die Nacht feiern waren, hat es tatsächlich ein Marsmädchen geschafft, sich unter die wenig versammelten Menschen ins Zelt zu mischen. Nach diesem Video zu Actors war mir klar, dass ich Still Parade unbedingt anschauen muss. Später erzählte ich den anderen, dass es wunderschön war, sogar noch viel besser als erwartet und auf jeden Fall zu meinen Top 5 dieses Festivals gehört. Ich wurde nach der Musikrichtung gefragt und antwortet mit “Ruhig, Singer/Songwriter.. So ähnlich wie Deep Sea Diver” – der Witz an dieser Aussage ist, dass ich zuhause feststellte: es ist ein und die selbe Band – sie haben sich bloß umbenannt. Beach, zuerst unter DSD veröffentlicht, zeigt nochmal mit wie viel Gefühl die Herren am Start sind. <3 maifeld-derby-festival-2014-mannheim-live-konzert-still-parade

Spring Offensive: Nach dem überragend-emotionalen Auftritt von Still Parade war es schwierig, sich zum einen auf die heißen Sonnenstrahlen außerhalb des Zelts und zum anderen auf eine neue Band einzulassen. Ob das der finale Grund dafür war, nicht sonderlich von den Herren aus Oxford begeistert gewesen zu sein oder doch die einfach langweilige Show (trotz vergeblicher Versuche des Frontmanns), bleibt ein Rätsel.

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Girls in Hawaii: Bergauf ging es mit belgischem Indie-Pop á la Girls in Hawaii. Dieser ging gut in die Ohren und nicht auf die Nerven, wie es die vorige Band tat. Gut für zwischendurch zum mitwippen und entspannen – nichts ausgefallenes, groß tanzbares oder spektakuläres. Aber die Gruppe bleibt dennoch positiv in Erinnerung.

The Elwins: Vor dem anschließend folgenden Band-Marathon (siehe unten) gönnten wir uns am sonnigen Sonntagnachmittag eine Verschnaufpause mit einer selbst gemachten Limo. Zum Glück war der Lemonaid-Stand direkt neben der Fackelbühne, denn sonst wäre uns der feinste Britpop, der dort gerade von den Elwins gespielt wurde, wohl entgangen. Trotz zahlreicher Animationsversuche war das Publikum, wie so oft am letzten Festivaltag, störrisch und unmotiviert, was tiefstes Mitleid bei uns weckte. Noch nicht einmal das Cover von Beyoncés Countdown konnte sie umstimmen. Dabei gibt es doch niemanden, der Queen B nicht liebt, oder?

Temples: Straight aus den späten 60ern beamten Temples sich am Nachmittag in unser Zeitalter und auf die Bühne des Palastzeltes – zumindest schien es so. Selbst bei den gefühlten 40°C, die in dem spärlich durchlüfteten Zelt herrschten, behielten die vier Engländer ihre Jackets an und auch die auffallende Lockenmähne des Sängers James Bagshaw wurde kein einziges Mal aus dem Gesicht gestrichen. Ihr Sound war ganz nett, oft fehlte uns allerdings die Abwechslung zur Begeisterung. Wieso Johnny Marr und Noel Gallagher sie als die beste neue britische Band bezeichnen, bleibt für uns demnach leider unklar.

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Hozier: Wir hatten das Glück, eine Premiere beim Maifeld Derby zu erleben: Es hat nicht geregnet. Naja, fast zumindest. Kurz vor dem Auftritt der Iren von Hozier fing es an zu tröpfeln.

“Sorry for the rain – we might have brought it with us.”

entschuldigte Frontmann Andrew Hozier-Byrne sich sehr charmant. Nicht nur wir hatten das nach den ersten Klängen vergessen und vergeben, auch das Publikum blieb erstaunlich zahlreich. Die entspannte, regnerische Atmosphäre passte ohnehin viel besser zum ruhig-souligen Indie-Pop der Musiker. Dass es ihre erste Show in Deutschland war, blieb unbemerkt und der (Tanz-)Freude der Menge nach zu urteilen, wird es wohl nicht der letzte hier gewesen sein. Wir würden uns freuen!

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St. Vincent: Und ja, es gab auch eine Pop-Queen! Und zwar eine, die wirklich out of this world ist. Surrealistische Outfits, futuristisches Bühnenbild, Gitarrenspiel und höchste Gesangstöne in Perfektion. Klingt irgendwie exzentrisch. Vielleicht augenscheinlich, aber es war trotz dessen eine unfassbar intime und zurückhaltende Performance. Zum Verlieben. Kleine Anmerkung auch hierzu: Diese Meinung stammt von einem Marsmädchen, die anderen vier samt weiterer Freunde saßen lieber draußen vor dem Zelt und unterhielten sich, als sich das fürchterliche Spektakel reinzuziehen.

The National: Es war von Anfang an und ohne Frage klar: wir (zwei von uns) müssen vorne stehen! Am besten in der allerersten Reihe, damit wir gute Bilder schießen einen Tropfen Schweiß abbekommen können. Natürlich haben wir dafür ohne mit der Wimper zu zucken den Auftritt von Wye Oak auf der Open-Air Bühne sausen lassen und sind stattdessen ins Palastzelt gestürmt, wo wir erschrocken feststellen mussten, dass wir nicht die einzigen mit dieser Idee waren. Die vielen extra angereisten Fans hatten sich wohl schon während St. Vincent oder sogar noch früher ihre Plätze gesichert.
The National sind die größte Band, die je auf dem Maifeld Derby gespielt hat und das hat man gemerkt: das sonst so friedliche Publikum hat gedrängelt, was das Zeug hält, das Zelt war bis zum Anschlag gefüllt und der Platz, den man sonst noch zum Tanzen hatte, war schlagartig passé.
Während der zweistündigen Show hat Sänger Matt Berninger sich mehrmals durch die Menschenmasse gedrängt (zur großen Freude aller Zuschauer – auch unserer), 2 Flaschen Wein und diverse Mischgetränke konsumiert und natürlich gemeinsam mit seinen Bandkollegen einen Mix aus ihren größten Hits sowie den Tracks von der jüngsten Platte Trouble Will Find Me gespielt.
Es war toll, überwältigend und höchst emotional, keine Frage. Dennoch – und wir trauen uns fast nicht, ein so wundervolles Konzert, bei dem kein Auge trocken blieb, zu kritisieren – bleiben The National eine Band, die man in intimerem Umfeld noch besser genießen kann. Auch wenn das utopische Vorstellungen sind, da das Palastzelt des Maifeld Derbys vermutlich schon die kleinste The National-bespielte Location seit langer Zeit ist.

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Fazit

Das Maifeld Derby hat sich dieses Jahr in fast allen Bereichen extrem verbessert. Durch die vielseitigeren Essensangebote, die Verbesserung der Bühnensituation und des wahnsinnig guten Line-Ups konnte es noch einmal mehr Besucher anlocken als in den Jahren zuvor. Das Einlassproblem vom letzten Jahr wurde gelöst und durch den Steckenpferd Dressur ist noch ein weiterer, interaktiver Unterhaltungspunkt im Festivalprogramm aufgenommen worden. Unserer aller heimlicher Favorit, der Parcours D’Amour, hat uns ein paar Gänsehautmomente verpasst, aber auch vor den anderen Bühnen haben wir des öfteren das Tanzbein geschwungen. Durch die Zusammenarbeit mit Red Bull konnten die Festivalbesucher im nahgelegen Aftershow bis in den nächsten Morgen zu diversen Musikstilen tanzen. Positiv zu erwähnen sind auch die Kooperationen mit Viva Con Agua und LemonAid, die ihren kompletten Erlös an soziale Projekte spendeten. Aber auch diverse andere ökologische Maßnahmen, wie zum Beispiel die Maifeld Derby Fahrradtour sind uns positiv im Gedächtnis geblieben. Viel Lob geht natürlich auch an all die freiwilligen Helfer, die uns immer sehr positiv begegnet sind!

Wie ihr merkt haben wir fast nichts gefunden, was uns an diesem Festival nicht gefällt, besonders die familiäre Atmosphäre und die dadurch entstehende Nähe zu den Künstlern begeistert uns alle. Für nächstes Jahr wünschen wir uns ein paar mehr Sitzmöglichkeiten und so gutes Wetter wie dieses Jahr. Wir werden auf jeden Fall wieder kommen – 2015 hoffentlich vollzählig!

 
Artikel von: Antonia, Carina, Maria, Natalie, Samira
Photo Credits: Sophie Krische (Titelbild), Carina Huber (Konzertbilder), Samira Wacker (Charity Children Bild)