Vom gestrigen William Fitzsimmons Konzert im Hannover Kulturzentrum Faust hatte ich bereits im Vorfeld eine klare Vorstellung: ruhig würde es bestimmt werden, beinahe besinnlich und ganz sicher emotional. Umso mehr war ich von dem, was sich im Laufe des Abends abspielte, überrascht.
Schon an der Tür wies ein Schild darauf hin, dass es wohl voll werden würde an diesem Abend: Das Konzert war ausverkauft. In der kleinen, gemütlichen Location, die angemessen für einen stillen Act wie William Fitzsimmons ist, tummelten sich Menschen aller Altersklassen, wobei darunter auffallend viele Pärchen und solche, die es noch werden wollten, zu finden waren.

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Denison Witmer, der als Support Act mit von der Partie war, ist ebenfalls Singer/Songwriter, der vom Stil her an Fitzsimmons erinnert und somit das Publikum gut auf das vorbereitet hat, was es so sehnsüchtig erwartete.

Leider war die Klangkulisse während seines Auftritts noch zu laut, um ihn angemessen würdigen zu können, zumal er ganz allein mit seiner Gitarre auf der Bühne stand.
Dennoch schaffte er es erstaunlich gut, das Publikum in seinen Bann zu ziehen. Spätestens nach seiner William Fitzsimmons Parodie mit Rauschebart und genuschelten, fast unverständlichen Vocals hatte er alle Lacher auf seiner Seite.

 

Setlist

1. Take More Than You Need
2. Keep Moving Brother, Keep Moving Sister
3. Stations
4. Three Little Birds (Bob Marley Cover)
5. Asa
6. Right Behind You
7. Made Out for This

 

Nach einer sehr kurzen Pause ging es ohne Ansage gleich weiter mit Centralia, einem Track von William Fitzsimmons letzten Monat erschienen Albums Lions, mit dem er sofort für vollständige Stille im ganzen Raum sorgte – zum ersten Mal an diesem Abend.

Während der ersten drei Tracks, die nur durch den Applaus der Menge voneinander getrennt waren, hätte man meinen können, dass die vier Herren, die da auf der Bühne standen, die introvertiertesten Menschen sind, die man je zu Gesicht bekommen hat: William Fitzsimmons hatte seine Augen die meiste Zeit geschlossen, der Keyboarder versteckte sich mit rundem Rücken hinter seinem Mikrofon und der Schlagzeuger und der zweite Gitarrist starrten ihre Instrument so fasziniert an, dass es fast so wirkte, als hätten sie sie in diesem Moment zum ersten Mal gesehen.

Dieser Eindruck erwies sich schlagartig als Täuschung, als es nach Beautiful Girl, für das es bis dahin den meisten Applaus gab (insgesamt schienen sich im Publikum einige Liebhaber der älteren Alben wie Goodnight und Gold in the Shadow zu befinden), zur sehr humorvollen und alles andere als schüchternen Begrüßung durch den sofort sympathischen Bartträger kam.

Spätestens nach der Aussage, dass das gewohnt ruhige Brandon sein Rocksong sei und er mit Lions ein Rockalbum habe aufnehmen wollen, war das Eis gebrochen und das Publikum amüsierte sich prächtigst. Mit einem Augenzwinkern fügte er noch

“I fucked that shit up a little”

hinzu, woraufhin es kein Halten mehr gab.

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Es folgte eine bunte Mischung von Stücken seiner fünf Alben, wobei die ersten beiden Drittel primär die Albumtour verkörperten, das dritte hingegen eher mit altbekannten Hits aufwartete. Als die ersten Töne von Afterall angespielt wurden, habe ich als großer Fan eben genannter alter Tracks meinen persönlichen Höhepunkt dieses Konzerts heranrücken sehen, doch war die E-Gitarre zu diesem Zeitpunkt so laut, dass der zarte Gesang größtenteils unterging, was mich etwas enttäuschte. Zum Glück blieb es bei diesem einen unschönen Moment und das gleich darauf anschließende You Broke My Heart konnte wieder mit der Schönheit und Zerbrechlichkeit aufwarten, die man bei William Fitzsimmons erwartet. Das zutiefst berührende I Don’t Feel It Anymore stellte das letzte Stück dar, das verstärkt und mit voller Besetzung gespielt wurde.

Das ganze Konzert über war das Publikum voll mit dabei, lachte an den richtigen Stellen (und es wurde viel gelacht!), klatschte und jubelte, doch am meisten freute es sich wohl über die akustischen Darbietungen von Passion Play und Wild Flowers.

 
Anschließend verließ die Band die Bühne und ließ einen äußerst gut gelaunten Fitzsimmons zurück, der sich erst einmal an seinem Support Act rächte, indem auch er ihn parodierte. Langsam wurde klar, dass das Konzert bald zu Ende gehen würde, doch so richtig wahrhaben wollte es wohl weder die begeisterte Menge noch der Musiker selbst und so wurden noch zwei Tracks von ihm ganz allein gespielt: Everything Has Changed und Goodmorning.

Letzteres bringt dieses Konzert wohl auf den Punkt. Es dreht sich nicht mehr alles um die Trauer, um die Stille und um die zerbrechliche Gefühlswelt der Menschen, es geht wieder bergauf. Gemeinsam mit William Fitzsimmons blicken wir voller Zuversicht in die Zukunft und freuen uns mit ihm auf all die Morgen, die noch kommen werden. Goodmorning.

 

Setlist

william-fitzsimmons-hannover-live-concert-picture-3 01. Centralia
02. Josie’s Song
03. Beautiful Girl
04. Brandon
05. From You
06. Took
07. Bird Of Winter Prey
08. When You Were Young
09. Just Not Each Other
10. Fade and Then Return
11. Fortune
12. Blood/Chest
13. Hold On
14. Lions
15. Afterall
16. You Broke My Heart
17. I Don’t Feel It Anymore
18. Passion Play
19. Wild Flowers
20. Everything Has Changed
21. If You Would Come Back Home
22. Goodmorning

 

Photo Credits: © Antonia Verdier