Vor einigen Wochen waren wir im Stuttgarter Goldmarks, um die Herren von Isolation Berlin live zu erleben (bevor das mit denen völlig durch die Decke geht, ne). Das Konzert war gut, die Stimmung war gut, die Location war gut – aber was wirklich überzeugend war, war die Vorband: Kaufmann Frust. Die vier Stuttgarter haben – wie beinahe jede Band des Kessels – Überschneidungspunkte mit den üblichen Verdächtigen rund um Die Nerven, sind musikalisch aber doch anders. Melodischer, authentischer, näher am Geschehen. Das, was da raus will aus den Köpfen der Mittzwanziger ist thematisch bekannt: es geht um Zugehörigkeit, um Verlorensein, um Ungenauigkeiten und Zukunftsangst. Alles schon gehört, hat es alles schon gegeben – aber eben nicht in der hier gefundenen rau-sensiblen Post-Rock Art und Weise.
Der Nachfolger zu ihrer ersten 7″ Hinter den Fenstern hört auf den Namen Unter den Augen und steht schon in den Startlöchern. Am 13. Mai feiern Kaufmann Frust mit Unterstützung von ÉCLAT im Laboratorium Release.
Wir haben uns also mit Flo, Ollo und Jan getroffen, um die Menschen hinter der Musik kennen zu lernen und um über Dachse, beinahe entstandene Tattoo-Sünden und sehr viel Liam Gallagher zu reden.

Wenn ich mich in ein Tier verwandeln könnte, wäre das…

Einstimmig: Ganz klar ein Dachs.
Florian: Wir haben einen ausgestopften Dachs als Familienerbstück, der eine helle Lampe in der Hand hält und so bei mir Zuhause im Treppenhaus der “Nachtwächter” war. So wurde er zum stetigen Begleiter, alle haben sich immer gefreut, den Dachs zu sehen. Mittlerweile steht er mit Kippe und Becher in der Hand in unserem Proberaum und kommt ab und zu sogar mit zu Konzerten von uns.

Wenn ich nur noch ein Konzert in meinem Leben besuchen dürfte, wäre das von…

Jan: Radiohead!
Oliver (lacht): Wenn man sagt, dass Radiohead nicht die beste Band der Welt ist, ist man in Jans Augen ungebildet.
>>> Puh, sagt das nicht, wenn Neil Gallagher in der Nähe ist, sonst gibt’s Ärger.
Oliver: Oh ja. Ich sage dann Tom Waits.
Florian: Ich würde wahnsinnig gerne nochmal ein The National Konzert sehen. Beim Maifeld habe ich sie das erste Mal gesehen und würde alles dafür geben, sie erneut zu sehen.

Wenn ich einen Tag mit einem Musiker meiner Wahl verbringen könnte, wäre das…

Jan: Liam Gallagher vielleicht? (lacht) Vielleicht ist er zu seinen Freunden ja netter.
Oliver: Als ob der netter zu seinen Freunden ist. Wenn man ganz, ganz sicher eine Person ist, die er mag, dann könnte es interessant sein.
Florian: Ich glaube, ich würde mich mit Gisbert zu Knyphausen gut verstehen. Das ist nicht unbedingt der Musiker, mit dem ich Musik machen wollen würde, aber ich könnte mir vorstellen, einen schönen Tag mit ihm zu verbringen.
Jan: Dirk von Lowtzow von Tocotronic würde ich wohl wählen.
Oliver: Ich glaube, ich würde mit demjenigen gar nicht über Musik reden wollen, das ist viel zu langweilig. Das haben die wahrscheinlich satt und dafür wäre mir die begrenzte Zeit von einem Tag auch zu schade. John Darnielle von The Mountain Goats. Neulich habe ich mir den Podcast aus der Reihe WTF with Marc Maron angehört, in dem er spricht, der hat mich echt beeindruckt.

Wenn ich mir eine Songzeile tätowieren lassen müsste, wäre das…

Ollo: Super, darüber habe ich mir in letzter Zeit eh viele Gedanken gemacht! (lacht) “I felt imprisoned, now I’m free”
>>> Möchtest du dir das tätowieren lassen?
Ollo: Nein, auf gar keinen Fall, aber wenn ich müsste, würde ich das wählen.
Jan: Entweder “When I walk into a room I don’t light it up – fuck” (Demos von The National) oder “Völker, hört die Signale! Auf zum letzten Gefecht” (Internationale)
Flo: Mit vierzehn wollte ich mir “The only thing that matters is just following your heart and eventually you’ll finally get it right” (In This Diary von Ataris) tätowieren lassen und ich bin so unendlich froh, dass ich es nicht gemacht habe. Jetzt würde ich eine sehr schöne Songzeile von Today I Became a Realist von Wax on Radio wählen: “Sail on quick. Fly past the world. Find me a love”

Wenn ich mein ganzes Leben nur noch ein Lied hören dürfte, wäre das…

Ollo: Impossible Soul von Sufjan Stevens. Das dauert 25 Minuten, sodass ich mir immer die Parts rauspicken könnte, die an dem Tag zu mir passen.
Flo: Ich würde von Wax On Radio Give Me a Place to Stand and I Will Move the Earth wählen, das höre ich seit langer Zeit jeden Tag mindestens einmal, also würde es mich wohl nicht nerven. Aktuell höre ich auch noch sehr viel Arms Like Boulders von The War On Drugs, damit könnte ich also auch gut leben.

Jan: Songs leben doch davon, dass sie ihren Platz auf einem Album finden und wirken so oft auch erst richtig, je nachdem, was davor und danach kommt. Ich kann mich echt nicht auf einen limitieren.
>>> Na gut, du darfst ausnahmsweise ein ganzes Album wählen.
Ollo: Ich habe eine Vermutung…
Jan: Okay, dann Funeral von Arcade Fire.
>>> Was war deine Vermutung?
Ollo: The Wall von Pink Floyd. In unserer Band-internen “Die beste Band der Welt”-Diskussion sage ich immer Arcade Fire und Jan Radiohead, deswegen wundert mich die Antwort gerade etwas. (lacht)

Wenn ich mir jemanden für eine Kollaboration aussuchen dürfte, wäre das…

Ollo: Amanita aus Jena. Hätte ich auf die letzte Frage ein Album antworten dürfen, hätte ich The World Is Dead Prose To Me von ihnen gewählt. Ganz wichtig finde ich bei denen, dass sie live nicht eins zu eins sind wie auf Platte.
Flo: Das erste Konzert, das wir jemals gespielt haben – und mittlerweile ganz gerne verschweigen – haben wir 2013 mit ihnen in Frankfurt gespielt und kennen sie auch privat.
Ollo: Ansonsten wäre es bestimmt auch interessant, mit jemandem zu kollaborieren, der gar nicht aus unserer Musikecke kommt.
Flo: Ich würde gerne mit Jimmy LaValle von The Album Leaf arbeiten, das würde mit Sicherheit elektronischer werden. Abgesehen davon wäre Sufjan Stevens cool, grade weil der ja wirklich alles macht.
>>> Metal würde vermutlich nicht ganz so gut zu Sufjan Stevens passen.
Flo: Das würde ich aber auch richtig interessant finden! Ich glaube, das kann tierisch Spaß machen.

Vielen Dank für das Interview!

Die kommenden Konzerte auf einen Blick

13.05.2016 Laboratorium Stuttgart (Unter den Augen Release)
13.07 Sindelfingen/Klostersee
17.06 Rasga Rasga Festival
06.09 Mainz Schon Schön

 

Photo Credits: Ilkay Karakurt