Schon verrückt, mit welch bunter Publikum Mischung James Bay an einem Freitag Abend im März seinen Auftritt in Köln erlebte. Ich glaube, kaum ein 25-jähriger Engländer kann von sich behaupten, neben den unter 25-jährigen Mädels auch zeitgleich deren Mütter kreischend zu begeistern. Es war aber auch wirklich ein verdammt guter Auftritt. 4.000 Menschen in allen Altersgruppen quetschten sich ins Palladium und feierten den jungen Sänger, dank welchem jeder nochmal seine Meinung über langhaarige Männer mit Hüten überdenken wird.
Ich muss gestehen, dass ich vor dem Konzert nur wenige Lieder von ihm kannte. Doch als mich eine Freundin im Herbst fragte, ob ich mit zu Bays Konzert möchte, zögerte ich nicht lange. Zunächst mochte ich die wenigen mir bekannten Lieder sehr. Mir gefällt seine Stimme, welche mal stark und aufbrausend klingt und im nächsten Moment sanft und flüsternd ins Mikro haucht. Außerdem fand das Konzert im Palladium in Köln statt und diese Kulisse hat es mir einfach wahnsinnig angetan (trotz der störenden Stahlträger mitten im Raum).
Leider kamen wir etwas spät und verpassten daher knapp den Auftritt der Londonerin Rukhsansa Merrise und ihrer Band. Was ich persönlich sehr schade finde, denn die 2 Songs, welche wir noch erwischten, klangen wirklich gut und die Atmosphäre im Publikum war dank ihr bereits aufgeheizt.
Nachdem sie die Bühne verließen, klatschten alle dicht aneinander gedrängt auf Zehnspitzen und blickten sehnsüchtig wartend Richtung Bühne. Endlich wurde die Hintergrundmusik leiser, die Lichter Richtung Bühne schwenkten auf einen riesigen weißen Vorhang. Die ersten Rhythmen von Collide hallten durch das Palladium, Bays Schatten zeichnete sich auf den Vorhang ab, die Leute sprangen kreischend herum, der Vorhang fiel und James Bay legte los.
Trotz unserer blöden Plätze, da wir aufgrund der Verspätung leider im hinteren Bereich des Palladiums standen und man einfach überhaupt keine Chance hatte, sich durch die Masse zu drängeln, war der Abend wirklich verdammt gut! Vor dem Konzert war ich skeptisch, ob er gute Stimmung verbreiten und die Menge zum Tanzen bewegen würde, schließlich war er insbesondere durch seine Balladen wie Hold Back The River oder Scars bekannt. Doch Bay hatte seine Setlist gut durchdacht und wechselte zwischen ruhigen Songs und aufheizenden Rockliedern hin und her. So wurde in einem Moment das Feuerzeug über dem Kopf sanft geschwenkt und in der nächsten Sekunde das Tanzbein beansprucht. Diese Mischung gefiel nicht nur mir, das ganze Publikum war begeistert, jubelte und sang abwechselnd mit. „Alles klar?“, fragte er auf deutsch nach wenigen
Liedern und auch da konnte ich mir kein „ohhhhhh“ unterdrücken.
Meiner Meinung nach klingt seine Stimme live noch besser, besonders die Performance von Best Fake Smile und When We Were on Fire waren an diesem Abend meine Favoriten. Trotz allem waren es für mich zu viele Balladen für diesen Abend. Natürlich ist das Geschmackssache, aber ich mag seine schnellen Songs lieber als seine ruhige, manchmal schon fast schnulzige Musik. Seine kurzen Gitarrensolos als Übergang bzw. Einlage für den nächsten Song beeindruckten mich allerdings schon ziemlich.
Mit Hold Back the River beendete Bay um 23 Uhr nach 3 Zugaben unter tosendem Applaus seinen Auftritt und ließ einige vor Begeisterung tränende Augen der Mütter und Töchter zurück.

Fazit

Wer James Bay mag, sollte sich ihn live nicht entgehen lassen. Selbst wenn einem nur wenige Lieder bekannt sind, lohnt es sich auf jeden Fall für das Geld. Er stellt sich nicht einfach nur auf die Bühne und spielt sein Programm ab. Man sieht ihm den Spaß, die Leidenschaft und die Begeisterung deutlich an, das überträgt sich sofort auf das Publikum und die Atmosphäre war magisch.

Setlist

01. Collide
02. Craving
03. When We Were On Fire
04. If You Ever Want To Be In Love
05. Need The Sun To Break
06. Running
07. Let It Go
08. Scars
09. Move Together
10. Best Fake Smile
11. Get Out While You Can
12. Incomplete (Z)
13. Rolling On The River-PROUD MARY (Z)
14. Hold Back The River (Z)

Text credits: Laura Mayer

Photo credits: Nadine Feldmann