“Da ist ja die Karte ins Glück” war gestern das Erste, was ich bei meiner kurz vor knappen Ankunft bei der Faust in Hannover zufällig von den dort Wartenden aufschnappte. Damit war nicht etwa eine von Willy Wonkas goldenen Eintrittskarten, sondern die Berechtigung dafür, das letzte Konzert der Aftermath Tour des Hamburger Elektro Pop Duos Hundreds miterleben zu dürfen, gemeint.
Meine Erwartung, eine ganze Halle voller euphorischer Fans anzutreffen, wurde nach dem ersten Umherschauen jäh zerstört, denn der vergleichsweise gemütlich kleine Raum war, selbst als der Supportact And The Golden Choir die Bühne betrat, nur überschaubar gefüllt.
Es folgten 40 Minuten mit der Ein-Mann-Band von Tobias Siebert, der im Vorfeld den musikalischen Hintergrund einspielt, das Ganze auf Schallplatte presst, live abspielt, sich mit diversen Instrumenten begleitet und dazu singt. Als Freundin der dramatischen Töne und des zärtlichen Gesangs war ich schnell begeistert; zu einem Höhepunkt kam meine Freude immer dann, wenn Sieberts Gesang mit seiner von den Platten kommenden Stimme harmonierte und so für den ein oder anderen Gänsehautmoment sorgte.
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Setlist (unvollständig)

01. ?
02. My Brothers Home
03. ?
04. My Heaven Is Lost
05. ?
06. In Heaven
07. Angelina

In der Umbaupause füllte der Raum sich zusehendst, doch blieb vor der Bühne immer noch ausreichend Platz, um sich frei zu bewegen. Für mich als Mädchen, das, sobald ansatzweise Clicks, Clacks und Claps auftauchen, nicht mehr stillstehen kann, perfekt.
Nachdem die Pausenmusik, die vor allem aus Waldgeräuschen und (atmo)sphärischen Klängen bestand, ausging, wurde es dunkel, die Nebelmaschinen wurden mindestens bis zum Maximum aufgedreht und aus den Boxen drangen so laute elektronische Geräusche, dass man gar nicht aktiv tanzen brauchte, da die Beine ganz von allein wobberten. Auch das ist keinesfalls als Kritikpunkt zu verstehen.
Nach und nach legte sich der Nebel so weit, dass man zwei der drei Musiker ausmachen konnte: Philipp Milner, männlicher Teil des Geschwisterpaars und ein Zusatzmusiker, der Hundreds bei Auftritten begleitet. Als Eva Milner, Sängerin und weiblicher Teil des Geschwisterpaars, die Bühne betrat – barfuß und mit grünem Glitzerlidschatten geschminkt – erinnerte sie mit ihrer zärtlichen Gestalt an eine Waldelfe. Ihr Äußeres stand im krassen Gegensatz zu ihrem kantigen Tanzstil, den sie noch vor ihren Gesangskünsten zum Besten gab.
Überall liest man besonders viel über die Frau der Band, deswegen möchte ich an dieser Stelle, aus gänzlich uneigennützigen Zwecken, ein paar Worte zum Beatmaker, der mich nachhaltig beeindruckt hat, von mir geben. Zugegebener Maßen war ich schon in dem Augenblick, als ich ihn zu Gesicht bekam mittelschwer aus dem Häuschen, denn bei schmächtigen, ganz in schwarz gekleideten Männern macht mein 2005er-Indie-Boybands-Gemüt ohne Ausnahme Loopings, doch als er sich dann auch noch subtil-begeistert bewegte, war für mich der Charakterkopf der Band endgültig gefunden. Leider habe ich kein ihm gerecht werdendes Bild von vorne geschossen, weswegen ihr euch mit dieser Rückenansicht begnügen müsst (Frei nach dem Motto “Er sieht gut aus, ernsthaft, lass mich nur schnell ein besseres Bild finden!”).
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Hachja. Genug Angehimmele, weiter im Text.
In den Songs, die aus der Kombination von elektronischem Hintergrund und glasklarem Gesang bestanden, fehlte es mir an Gefühl, denn der kühle Elektropop – für den Hundreds bekannt sind, klar – ließ meist wenig Platz dafür. Umso mehr genoss ich die Lieder, die ohne den Zusatzmusiker auskamen, in denen die Stimme von Eva ganz zur Geltung kommen konnte sowie jene Tracks, die live geremixed wurden und bei denen das Hauptaugenmerk nicht auf Lyrics und Gesang, sondern den Beats lag. Letztere ließen mich kurzzeitig sogar das altbekannte Elektroparty-Gefühl in meinem wummernden Körper fühlen, was ein klarer Pluspunkt war. So kristallisierten sich für mich schnell Happy Virus & Grab The Sunset sowie Foam Born und Little Heart als Höhepunkte des Abends heraus.

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Leider kam neben den all zu charmanten Momenten, wenn Eva ihre strahlenden “Vielen Dank!”s in das jubelnde Publikum warf, nicht viel weiteres an Interaktion mit dem Publikum. Keine Anekdoten zur Anfangszeit der Band, keine Aussagen zu dem, was sie mit Hannover oder der Faust verbinden und auch bis fast zuletzt keine Äusserungen zur Qualität des Publikums, wie man sie sonst kennt.
Für mich als begeisterte Konzertgängerin, die es immer genießt, in solch Insiderwissen eingeweiht zu werden, das der “CDs anhören reicht mir”-Fraktion verwehrt bleibt, ein Kritikpunkt am gestrigen Abend.

Setlist (undvollständig)

01. Intro
02. Aftermath
03. Fighter
04. Beehive
05. Ten Headed Beast
06. Please Rewind
07. Rabbits On The Roof
08. Our Past
09. Happy Virus
10. Grab The Sunset
11. Foam Born
12. Let’s Write The Streets
Zugaben:
13. Stones
14. Circus
15. Song For A Sailor
16. Little Heart

Fazit:

Es war ein wirklich schönes Konzert, das mir gefallen hat. Wie so oft fand ich die Vorband fast besser als den Hauptact, was allerdings teilweise auch an meinem ewigen Mitgefühl mit all denen, die (noch) nicht das bekommen, was sie verdienen, zu tun haben könnte.
Hundreds sind eine Band, die es sich lohnt, einmal live zu sehen. Ob man sie danach unter allen Umständen erneut im Konzert sehen möchte, muss jeder für sich selbst bestimmen. Mir reicht dieses eine schöne Erlebnis.

Photo Credits: © Antonia Verdier