Hui, das war aber ganz schön heiß am Sonntag bei Bilderbuch in der frisch wiedereröffneten halle02, was nicht nur an der sich wild bewegenden Menschenmasse lag. Aber erstmal alles auf Anfang.
Obwohl ein stürmisch verregneter Sonntag nicht die beste Ausgangsbedingung darstellt, wenn man sich auf den Weg in (zumindest musikalisch) tropische Gefilde macht, haben erstaunlich viele Menschen den Weg in die halle02 gefunden. Schon beim Voract Adi Ulmansky standen die Zuschauer bis kurz vor den Barbereich, was uns zugegebenermaßen etwas stutzig machte. Neben aufgeregten Teeniemädchen standen Pärchen über Vierzig, die wiederum den Atem von einem der – überraschend vielen – anwesenden Männer im Nacken hatte. Mit elektronischen Klängen und ihrer zarten Frauenstimme versüßte uns Adi Ulmansky, die ursprünglich aus Israel stammt, die Wartezeit auf Bilderbuch. Das Cover von James Blakes The Wilhelm Scream hat uns zunächst gefreut – und dann enttäuscht. Perfektes noch besser zu machen, ist und bleibt eben schier unmöglich. Die eigenen Produktionen finden wir dennoch spannend, auf ihrem Soundcloudprofil könnt ihr einige Tracks sogar umsonst herunterladen.

Unter tosendem Applaus und in gleißendes Licht gehüllt betraten kurz nach der Umbaupause die Wiener, um die sich an diesem Abend alles drehen sollte, die Bühne. Hinter ihnen leuchtete dem Publikum eine gelbe Kugel entgegen, sodass die Band bis auf ihre Konturen nur schemenhaft zu erkennen war. Der Opener des Abends war, wie auch auf deren Album Schick Schock (hier unsere Kritik), Willkommen im Dschungel. Spätestens nach dem zweiten Lied Schick Schock gab es dann kein Halten mehr, die komplette halle02 tobte, es wurden Pogokreise gebildet und ordentlich abgerockt. Besonders die längeren Gitarrensoli des Gitarristen kamen live besser zur Geltung, als auf Platte. Dabei wurde die Gitarre nicht nur klassisch gespielt, sondern wie mit einem Hula-Hoop-Reifen einmal um den gesamten Körper manövriert, während auf ihr gespielt wurde. Die Bandkollegen traten währenddessen höflichst in den Hintergrund und ließen dem Publikum genug Zeit, um ordentlich die Haare zu schütteln. Fast hätten wir vergessen, dass es früher gang und gebe war, als Band beinahe immer eine Band und nicht nur Sänger plus Gedudel im Hintergrund zu sein. An dieser Stelle ein großes Merci!

Längst vergessen sind die Tage, in denen man auf die Frage “Kennst du Bilderbuch?” “Welches?” als Antwort bekommt, nicht zu vergessen ist hingegen, dass es einen großen Wandel zwischen der Kleinstadt-Indie-Band, die Bilderbuch einmal waren und der Band, die die Süddeutsche in ihrem Feuilleton das Wort “geil” benutzen lässt, gab. So gibt es einige nostalgische Momente aus zehn Jahren Bandgeschichte, die wir nicht hätten missen wollen. Mit Calypso, Karibische Träume, ein Boot für uns und schlussendlich Joghurt auf der Bluse bewiesen die Vier, dass ihre alten Songs zwar anders klingen, den neuen aber in nichts nachstehen.

Zwischen den Songs gelingt es Sänger Maurice mit mal mehr, mal weniger gewitzen Geschichten, Sympathie zu versprühen. Der Publikumsliebling schafft es wie kein Zweiter, durch präzise ironisch eingesetzte Mimik und Gestik die Masse im Sturm zu erobern. Von Pogewackel über Augenbrauenakrobatik bis hin zu hocherotischen Hemdhochrutschern ist alles vertreten. Besonders die köstlich hinausgezögerten Augenblicke vor Maschin, in denen er sich genüsslich die ledernen Handschuhe überstreift, erzeugen eine kaum auszuhaltene Spannung. Zudem sind die Aussagen so schmierig, so schleimig und doch so charmant, dass man nicht anders kann als entzückt zu lachen und ein kleines bisschen rot zu werden (die Männer schließen wir ausdrücklich in diese Aussage ein).

Egal, wie euer Tag war, egal, ob morgen Montag ist – versprecht mir eins: Wenn ihr morgen aufsteht und in den Spiegel guckt, dann sagt “EY!” wie ein Gigolo.

Zwischen all dem Tanzen, Mitsingen, Staunen und Loslassen vergehen die 17 Songs gefühlt in einem Wimpernschlag. Nach einem kleinen Schlenker zum Merchstand und anschließender Publikumsbefragung, gehen wir verschwitzt und glückstrunken nach Hause.

 

Setlist

01. Willkommen im Dschungel
02. Schick Schock
03. Rosen zum Plafond (Besser wenn du gehst)
04. Calypso
05. Barry Manilow
06. Karibische Träume
07. Gibraltar
08. Feinste Seide
09. Gigolo
10. Softdrink (feat. Adi Ulmanski)
11. Ein Boot für uns
12. Plansch
13. Joghurt auf der Bluse
14. Spliff
15. Maschin

Zugaben:
16. Kopf ab
17. OM

Fazit:

Bilderbuch sind eine sehr gute Liveband, die Gitarrensoli des Gitarristen Mike kommen live natürlich viel besser zur Geltung, als auf Platte und auch die Frontmanqualitäten des Sängers Maurice sind nicht von schlechten Eltern. Obwohl wir die Band schon einige male live erleben konnten, wird es nie langweilig. Wir können jedem nur empfehlen, sich dieses Spektakel einmal live anzusehen.

Zum Schluss noch ein paar Stimmen aus dem Publikum:

Céline:

“Das Konzert von Bilderbuch war einfach nur klasse, es gibt nichts zu bemängeln und ich hoffe, dass Bilderbuch bald wieder nach Heidelberg kommen.”

Lisa:

“Die Stimmung war voll gut, die Band hat es geschafft, mega anzuheizen und allein die Gestik vom Sänger war einfach der Hammer, bis in die kleinsten Bewegungen, das hat mega viel ausgemacht.”

Klara:

“Hat total viel Spaß gemacht und ich fand’s gut, dass die ganzen neuen Songs dabei waren, aber auch ältere, die sie aber trotzdem so angepasst haben, dass es ein homogenes Gesamtbild war.”

 

Photo Credits: Antonia Verdier & Samira Wacker