Ich hatte mich gerade dazu entschlossen, noch vor Beginn der Show schnell das wundervolle Dixi Klo aufzusuchen, als die ersten langsam gestimmten Takte von Everything Now über die dicht an dicht gedrängelten Köpfe der 12 000 verrückten Menschen hallten. Perfektes Timing, natürlich. Ich eilte zum Bierstand zurück, schnappte mir meine Begleitung und gemeinsam boxten wir uns mit Bier in der Hand durch die Menge. Inzwischen war Arcade Fire mitten in der Single Everything Now und in voller Fahrt. Ich traute meinen Augen kaum und meinen Ohren schon gar nicht, denn bereits jetzt war ich von der Magie ihrer Musik überwältigt und die Glückshormone in mir rasten in alle Richtungen.
Auch wenn Everything Now erst vor 2 Wochen erschienen ist, war das Mitsingen für Tausende keine Schwierigkeit. Um mich herum wurden Textstücke Richtung Bühne geschrien, Hände klatschten in der Luft, jeder war in Bewegung, tanzte trotz des eigentlich fehlenden Platzes, genoss den Anblick und die akustische Meisterleistung der neunköpfigen kanadischen Band.
Aus jedem ihrer bisherigen Alben spielte die Band drei bis vier Songs, daneben auch die erst an diesem Tag veröffentlichte Single Create Comfort – dessen Worte mir den ganzen Abend im Kopf blieben:

It goes on and on and I don’t know what I want, on and on and I dont know if I want it.

Nur schwer konnte man den Überblick über das Treiben auf der Bühne während des Konzertes behalten, schließlich hielt auf der Bühne selbst kaum jemand seine Füße still. Dazu wurden nach fast jedem Song die Instrumente in Sekundenschnelle untereinander gewechselt, ohne dass sie sich dabei über die Füße gestolpert waren. Es war so wunderschön anzusehen, wie sehr der Kopf der Band und unübersehbare Riese Win Butler, seine Frau Régine Chassagne mit ihrer zarten aber lauten Stimme, Wins Bruder William und die weiteren Bandmitglieder ihre eigene Musik lieben und sich selbst zu jeder ihrer erzeugten Melodie einfach zum Rhythmus bewegen müssen –

People say that your dreams are the only thing that save you.

Der Abend war perfekt, Arcade Fire war perfekt und die Festivalstimmung an diesem Abend unter den Pilzen am Tanzbrunnen in Köln weckte die Sehnsucht nach mehr. Nach mehr von Arcade Fire, am liebsten die ganze Nacht lang. Niemand konnte es glauben, als nach nur eineinhalb Stunden mit Wake up die letzten Takte gespielt wurden. Dabei waren wir doch gerade erst dazu aufgerufen, wach zu werden und nun sollte es das schon gewesen sein? Leider ja, denn den Lärmschutzbedingungen sei Dank war mehr leider nicht möglich. Wir wollten das so nicht wahrhaben und wiederholten die Laute des letzten Liedes in der Hoffnung auf eine Zugabe. Nur kurz zeigten sich Win und Régine nochmal auf der Bühne, würden uns gerne mehr an diesem Abend geben können.
Nach der Fassungslosigkeit, wie ein Konzert ohne Zugabe eigentlich nur enden kann, folgte die Wut, weshalb denn das Konzert nicht eher begann, um mehr spielen zu können.
Dennoch war es eines der schönsten Konzerte gewesen, welches ich bisher sehen dürfte. Wahrscheinlich sage ich das tatsächlich nach jedem von mir besuchten Konzert. Doch Arcade Fire zählt einfach zu meinen Top Lieblingen und ihre Musik löst etwas aus, was ich mit Worten zwar nicht beschreiben kann, was aber eindeutig nahezu alle der 12 000 Menschen an diesem Freitagabend im Tanzbrunnen sichtlich gefühlt haben.

Setlist

Everything Slow
Everything Now
Rebellion
Haiti
Here comes the Nighttime
No Cars Go
Windowsill
Neon Bible
The Surburbs
Ready to Start
Reflektor
Afterlife
Signs of Life
Create Comfort
Power Out S
Sprawl 2
Wake Up

Text/Photo credits: Laura Mayer