Als ich letztes Jahr um diese Zeit eine E-Mail in meinem Postfach vorfand, in der stand, dass ich vom Sziget Festival berichten darf, konnte ich mein Glück kaum fassen. Nach mehrfachem Nachlesen ging es dann nach Ungarn, genauer gesagt nach Budapest. Eine Stadt, die ich nach den sieben Tagen Festivalwahnsinn gar nicht mehr verlassen wollte, aber dazu später mehr. Das Sziget Festival hat mich umgehauen, nicht nur wegen seiner Größe, sondern vielmehr wegen der Vielfältigkeit, die dieses Festival in jedem Bereich mitbringt. Das Booking ist abwechslungsreich und die Kunst atemberaubend, kurzum: Das Sziget ist ein riesiges Paradies für Indiefans oder auch: Das Tomorrowland in cool. Bevor es hier zu cheesy wird breche ich ab und präsentiere euch 10 Punkte, die euch hoffentlich von diesem Festival überzeugen. Ihr werdet es nicht bereuen, versprochen!

1. Preis Leistung

Wenn man bedenkt, dass normale 3-Tages-Festivals mittlerweile an die 200€ kosten, ist der Preis für das Sziget absolut vertretbar. Eine Woche + Nahverkehr + Thermeneintritt kosten aktuell 325€. Aber auch andere Ticketkombinationen lohnen sich, wenn man das Festival vielleicht noch mit einem Ausflug nach Budapest beenden oder beginnen möchte. Hier gibt es Infos über die verschiedenen Ticketangebote.

2. Internationalität

Nach dem ersten Festivaltag war ich erschlagen von der Größe und Internationalität dieses Festivals. Eine andere Fotografin hat das Festival als

coole Schwester des Tomorrowlands

beschrieben, was ich ziemlich passend fand. Dabei besuchen fast viermal so viele Besucher das Sziget Festival. Es sind Künstler aus den verschiedensten Ländern vertreten und auch die Besucher scheinen von überall her angereist zu sein, um sich eine Woche Festivalurlaub in Europa zu gönnen.

3. Gelände

Stellt euch das Dockville vor und multipliziert das Ganze mit 10. Dann könnt ihr euch ungefähr vorstellen, was auf dem Sziget kunstmäßig abgeht. Ich war letzten Sommer vier Tage auf dem Festivalgelände und habe trotzdem nicht annähernd alles gesehen. Man braucht ungefähr 45 Minuten um die Insel auf geradem Wege zu durchqueren. Man kann sich ausmalen, wie lange es dauert alles ausgiebig zu erkunden. Dabei kann der Sziget Pass helfen, auf dem man sich an verschiedenen Stationen Stempel abholen kann um somit spielerisch die verschiedenen Ecken des Festivals zu entdecken. Es gibt Bungee Jumping, unzählige, wirklich unzählige Bars und Essensstände, Trampoline, eine Kirche und mein absolutes Highlight: Das Luminarium. Dabei handelt es sich um eine Höhle aus Hüpfburgmaterial, die durch Luft aufgeblasen wird. Um das ganze nicht zu sehr auszuführen, gibt es hier einen kleinen Einblick in die Kunstinstallationen des letzten Jahres

4. Budapest

Ich hätte mir vor dem Festival nie ausmalen können, wie sehr ich mich in Budapest verlieben werde. Mit dem Sziget Festivalbändchen könnt ihr alle öffentlichen Verkehrsmittel in Budapest kostenlos nutzen und sogar gratis eines der vielen Bäder besuchen. Wer sich also zwischendurch eine Pause von einer Woche staubigen Festival gönnen möchte, kann das z.B. im Gellert Bad machen. Danach sollte man unbedingt auf die Fischerbastei laufen um die Stadt von oben zu bewundern. Achja, im jüdischen Viertel kann man außerdem sehr gut feiern gehen. Ich wollte die Stadt nach dem Festivalwochenende jedenfalls gar nicht mehr verlassen.

5. Alkohol

Ein nicht ganz unwichtiger Punkt für das Gelingen eines Festivalwochenendes. Das Bier ist in Ungarn wirklich günstig, und auch auf dem Festival kommt man im Vergleich zu Deutschland günstiger weg. Am Rande des Festivals gibt es einen Supermarkt, der euch mit Nachschub versorgt. Außerdem gibt es verrückte Eimer mit Wodka/Wein + X die ihren Zweck auch erfüllen zu scheinen. Fun Times!

6. Wetter

Während wir auf deutschen Festivals immer Angst vor dem großen Unwetter haben, ist es auf dem Sziget zu 99% warm und sonnig. Durchnässte Zelte und nasse Socken braucht ihr auf diesem Festival nicht fürchten, der Staub vor der Hauptbühne ist hier euer größtes Problem.

7. Kulturprogramm

Wer sich eine Konzertpause gönnen möchte, hat auf dem Sziget unzählige Möglichkeiten. Ob Kurzfilme, Dokus, ungarischer Tanzworkshop oder gleich ein Ausflug ins Art Village. Das Festival bietet ein vielfältiges kulturelles Angebot an und lässt die ungarischen Wurzeln dabei nicht außen vor, was unheimlich charmant ist.

8. Flirtfaktor

Wie bereits am Anfang erwähnt, punktet das Sziget durch seine Internationalität. Erfahrungsgemäß kann ich unterschreiben, dass der Flirtfaktor auf diesem Festival größer ist, als auf jedem Festival, dass ich bisher besucht habe (Was vielleicht an Punkt 5 liegt). Seien es die spendablen Erben von maltesischen Hotelbesitzern oder betrunkene Engländer auf Festivalurlaub, auf dem Sziget bleibt keiner lange alleine.

9. Afterpartys

Durch die Größe des Festivals gibt es nach den Konzerten Afterpartys aus allen musikalischen Bereichen, die sich ein Mensch vorstellen kann. Das Spektrum reicht von Indie über Techno bis hin zu Brass.

10. The Germans

Trotz Internationalität freut sich der deutsche Festivalbesucher heimlich auf die Bands aus dem Heimatland. Der Witz ist, dass es den anderssprachigen Festivalbesuchern herzlich egal ist, ob K.I.Z oder Kraftklub gerade in irgendeinem Zelt auftreten. Somit habt ihr eure Lieblingsbands ganz für euch und die ca. 300 anderen Zuschauer alleine und könnt dieses Jahr Künstler, wie Marteria in verhältnismäßig kuscheligem Rahmen ansehen.